Druckschrift 
Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

39I

wie bisher so auch künftig mit mir das Banner der Menschenliebe hoch-halten, das keine Grenzen und keine Volker kennt, sondern nur das Strebenzum Guten und Edlen. Lassen Sie uns nicht zu sehr trauern über denWeltkrieg, er ist vielleicht gerade der Weg, den die Vorsehung einschlagenmußtc/M durch ein Feuerbad die Menschheit zu reinigen. Die deutsche Menschheit ist sicher reiner und besser geworden durch den Krieg. Auchdas eMM mich mit Zuversicht für die Zukunft. Ein Volk, das leistenkonnte; was das deutsche Volk in den ersten acht Monaten des Welt-krieges geleistet hat, kann nicht zugrunde gehen. Deutschland geht aberlieber zugrunde, ehe es den Weltkrieg ohne Sieg abschließt. Deshalbhalte ich den deutschen Sieg für sicher. Wie unsere Feinde sich mit diesenTatsachen abfinden, ist ihre Sache. Noch scheinen sie voller Illusionenm sein, es wird ihr Vorteil sein, wenn sie sich davon frei machen.

Sie haben mir geraten, zur Rettung Deutschlands beizutragen,indem ich für den Frieden arbeite, durch den Deutschland nutzlosesBlutvergießen ein Ende machen könnte. Ich wünsche, daß Deutschland bis zum letzten Blutstropfen kämpft, ehe es vor seineu Feinden schimpflichkapituliert. Ein Frieden ist erst möglich, wenn die UiwesiegbarkeitDeutsch-lands von allen seinen Feinden anerkannt wird. Sie können IhremVaterland keinen größeren Dienst erweisen, als wenn Sie wenigstensdos' Ihrem Volke klar machten:Wir müssen Deutschland vernichten,wenn wir nicht einen Frieden schließen, der Deutschland vor ähnlichenKriegen schützt, wie der gegenwärtige." Kann England Deutschland vernichten? Das halte ich für ebenso unmöglich, wie mir dasUmgekehrte möglich erscheint, nämlich daß Deutschland England vernichten kann. Englands Feindschaft gegen Deutschland hatte sowenig tatsächlichen Grund und war so verderblich für das englischeVolk, haß ich keine andere Erklärung dafür finde als das alte Worte,wen die Götter verderben wollen, den verblenden sie. Vom Kriegs-beginn an beweist alles eine unbegreifliche Verblendung der sonst sonüchternen und berechnenden Engländer. Verblendung, Verblendung,nichts als Verblendung die ganze cnglischePolitik, die den Weltkrieg herbei-geführt. So wird denn auch der Verblendung das Verderben folgen,so muß sogar das Verderben als Strafe für die furchtbare Blutschulddes Weltkrieges folgen, sonst gibt es keine himmlische Gerechtigkeit.

Berlin , Anfang März 1915.