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I. ABSCHNITT.
Fabrikarbeiter = 3 gehen bis nach Mühlhausen
Drechsler = 1 Haushaltung
Zusammen, wenn man beachtet, dass 3 Holzhauer, einBäcker und ein Wirth nicht besonders gezählt werdendürfen, 48 Haushaltungen; Mangel au Nebenverdienst istnicht vorhanden. Wenn Einer ernsthaft den Willen hatzu arbeiten, findet er immer Beschäftigung. In den Augen-blicken, wo der Handwerker im Handwerk nicht genug zuthun hat, findet er leicht bei den Landwirthen und auf seinemGrundstücke Arbeit.
Es herrscht im Gegentlieil, während der Zeit der ange-strengtesten Arbeit, nämlich in der Ernte, Arbeitermangel.
Ueber den moralischen Zustand der landwirtschaftlichenArbeiter hörten wir dieselben Klagen wie überall. Jedochzu Gunsten Hüttenheims wollen wir hier schon vorausschicken,dass dort das patriarchalische Wesen in den Beziehungender Arbeitgeber zu den Arbeitern sich noch in vielen Familienerhalten hat, während dies in Ober-Spechbach gar nicht mehrder Fall ist. Wenn irgendwo wieder der Versuch gemachtwird, so muss er bald aufgegeben werden, in Folge Mangelsan sittlichem Werth des Arbeiters.
„Die Arbeiter auf dem Lande“ — sagt die landwirt-schaftliche Enquete für den Kreis Altkirch — „sind seit 1866in moralischer Beziehung gefallen und zwar bezüglich desFleisses, der Ausdauer, der Anhänglichkeit, der Treue undder Genügsamkeit. Zugenommen hat die Genusssucht allerArt. Die Arbeiter sind in Nahrung, Getränken und Lohnanspruchsvoller geworden. Auch stehen sie zur Herrschaftin weniger freundlichem Verhältniss als früher. Die Haupt-ursachen dieser Aenderungensind: Der ländliche Arbeiterstandist inficirt von dem ungebundenen Leben der Fabrikbe-völkerung und der in grossem Städten herrschenden grossemGenusssucht. Die Folgen sind Verteuerung und Erschwerungdes landwirtschaftlichen Betriebes.“
In andern Worten sagen sie hier ganz dasselbe, wasim Kreis Erstein gesagt wird, und in diese Klagen stimmenalle uns jetzt gedruckt vorliegenden Kreisberichte der land-wirtschaftlichen Enquete ein. Die Trunksucht ist eines der