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Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
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III. ABSCHNITT.

elsässische Tabak nicht ganz mein' den Ansprüchen derRaucher entspreche, dass dessen Kultur dementsprechendumgeändert werden sollte. Es ist dies gewiss ein nichtausser Acht zu lassender Gesichtspunkt. Auch die Agri-kultur muss sich, wie jede Industrie, den Anforderungen derKonsumenten fügen. Allgemein wirft man dem hiesigenTabak vor, dass er zu schwer sei, und zu Cigarren aufgerolltsehr schlecht brenne.

Neulich hat die elsass -lothringische Landeszeitung einebesondere Art der Zubereitung des Tabaks besprochen unddieselbe den Pflanzern zur Anwendung empfohlen, deren wirdeshalb auch hier füglich Erwähnung thun wollen: es ist dieTabakernte nach amerikanischer Art. Diese besteht darin,dass die Tabakpflanzen ganz, also die Stengel oder Stöckemit den ansitzenden Blättern zusammen geerntet werden.Diese Ernteweise hat erhebliche Vorzüge vor der sonst üb-lichen, indem sich bei derselben nicht allein die Arbeit desAbblattens auf die geeignete Winterszeit, wo keine andernErntearbeiten vorliegen, verlegen lässt, sondern auch einTabak erzielt wird, der einen wesentlich höhern Verkaufs-werth, als der nach anderer Methode geerntete hat. DieseZeitung führte ferner als Beispiel an, dass im HerzogthumSachsen-Meiningen, besonders im Meininger Unterlande, inden letzten Jahren der Tabakbau in Folge der günstigenErfahrungen, welche mit der amerikanischen Ernteweise ge-macht wurden, wieder mehr und mehr in Aufnahme ge-kommen, und insbesondere auch in Fluren Eingang gefundenhat, auf denen derselbe vorher nicht betrieben wurde.

Die Steuerbehörde hat dort bereitwilligst die Versuchegestattet und durch sachgemässe Maassregeln und Anord-nungen erleichtert; sicher würde sie dies auch in unsermLande thun. Versuche sind also sehr anzurathen.

Was die Preise des Tabaks anbelangt, waren diese seitden 70 er Jahren sehr ergiebige. Für Bodenblättor der

Doppelcentner 56 Pranken, für die grossen Blätter 60 Pranken.Man sieht, die Bodenblätter beinahe so tlieucr, wie diegrossen Blätter! Das rührt daher, dass die Bodenblätter alsleichtere früher zur Fabrikation tauglich sind, als die grossen,