Die inerkantilistische Litteratur dcr einzelnen Länder.
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des ostindischen Handels, auf eine staatliche Herabdrückung des Zinsfußes und eineFörderung der heimischen Industrie; in Deutschland empfiehlt man vor allem Erschwe-rung und Verbot der fremden Manufakteneinfuhr, um das gewerbliche Leben der Heimatnicht ganz durch die fremde Konkurrenz erdrücken zu lassen. Die einzelnen Mittel sindverschieden, die Ziele sind überall dieselben: die egoistische Förderung der eigenen Volks-wirtschaft mit allen Mitteln des Staates.
Während die viel bewunderten Holländer mehr das praktische Leben ausbildetenund über wirtschaftliche Einzelfragen schrieben, erzeugten in Italien die alte geistige Kulturund die Münzgebrechen der Zeit Schriftsteller, die vom Geldwesen zum Handel undzur allgemeinen Wirtschaftspolitik Vordringen: Antonio Serra (Lrevs trattaw äslle Lauseebe xosscmo tar adouäare 1i regni ct'oro e cl'arZenlo, äovs non souo miniere, 1613)ist als einer der ersten und Antonio Genovesi (I^e?ione äi (üoiumereio, osia cli Loo-nomm (üivile, 1769, deutsch 1776) als einer der umfassendsten und maßvollsten Schrift-steller der von uns bezeichneten Gedankenrichtung zu nennen. In England wirkte dasfreie politische Leben, der sonstige wissenschaftliche Geist, der zur Beobachtung besondersgeschickte Nationalcharakter und dcr handelspolitische Kampf mit Holland zusammen, diehervorragendsten Schriften des Merkantilismus ins Leben zu rufen. Thomas Mun
cliseourse ok tracks trom LnAtancl into tue Last luckies, 1609; LuFtancks treasurekorsiM tricks eet, 1664) ist der erste erhebliche Theoretiker der Handelsbilanz, derCompagniedirektor Sir Josiah Child (kriek odservatious eoueeruing tracls anck lke interestok moue.y, 1668; ^ us>v äiseourse al tracle, 1690) tritt für Zinsfußerniedrigung,Handelscompagnien, strenge Abhängigkeit und Ausnutzung der Kolonien auf, Sir WilliamPetth, Autodidakt, Arzt, Chemiker, glücklicher Geschäftsmann und Spekulant treatiseol taxss eet, 1662; Levsral essavs in politieal aritkmetio, 1682; l'Iie politieal anatoiv)ok Irelaucl, 1691; 1719), weiß volkswirtschaftliche Zustände zu beobachten und zahlen-mäßig zu schildern, ähnlich wie sein Nachfolger auf diesem Gebiete, Charles Davenant ,dessen zahlreiche Schriften in die Zeit von 1695—1712 fallen ("Hie politieat ancl eom-meieial v'oi-ks, 1771); dieser erörtert in geläuterter Weise die Handelsbilanz, die Pro-hibitivmaßregeln, den Kolonialhandel. Fast alle englischen Schriftsteller dieser Zeitschließen sich den neugebildetcn Parteien der Tories und dcr Whigs an, stehen in derenDienst, verherrlichen als Whigs die maßlose Überspannung des Schutzsystems, eisernals Tories dagegen. Den theoretischen und systematischen Höhepunkt der englischenMerkantilisten bildet erst der viel spätere, etwas breite und ungelenke James Steuart (Illouir^ into tlie xrineixtss c>k potitieal seouom)' deiuZ au essa.)' ou tlie seieriee okäomestio polioz- in lree uaticms, 1767, deutsch 1769), der Adam Smith an Eleganzund Klarheit unzweifelhaft, aber kaum an historischem und psychologischem Verständnis,an praktischer Lebenskenntnis nachsteht.
Wenn in Deutschland die ersten kameralistischen Professuren auf den Universitätenerrichtet werden, um die Kammerbeamten sür ihre Verwaltungsthätigkeit besser vor-zubereiten, und wenn so in der deutschen Litteratur jener Tage die landwirtschaftlicheund gewerblich-technische Unterweisung neben Finanz- und volkswirtschaftlichen Frageneine besonders große Rolle spielt, den Schriften einen erdig realistischen Beigefchmackim ganzen giebt, so hat andererseits doch das deutsche Schulmeistertum am frühestensystematische Werke geschaffen. Wie die Engländer aus Pufendorfs Naturrecht einenerheblichen Teil ihrer systematischen Betrachtungen nahmen, so hat Johann JoachimBecher schon 1667 eine Art merkantilistisch-kameralistischen Lehrbuches geschrieben; er istursprünglich Arzt und Chemiker, später Kommerzienrat und Projektenmacher; sein„Politischer Diskurs von den eigentlichen Ursachen des Auf- und Abnehmens der Städte,Länder und Republiken" hat von 1667—1759 sechs Auflagen erlebt, hat mit seinerLehre von der staatlichen Regulierung alles Verkehrs, mit seiner Forderung von Com-pagnien, Werk- und Kaufhäusern, von Schutzzollmaßregeln gegen Frankreich die deutschePraxis fast drei Mcnschcnalter beherrscht. An ihn schließen sich die meisten der folgendenKameralisten an: Hörnigk, Schröder, Gasser, Zinken bis zu dem glatt systematisierendenI. H. G. von Justi und seinen zahlreichen Lehrbüchern (Gruudsätze der Staatswirt-