Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
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Die wissenschaftliche Beobachtung.

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Gültigkeit, erschöpfende Genauigkeit, extensive Vollständigkeit besitzen. Das einzelne sollsür sich und als. Teil des Ganzen in seinen wahrnehmbaren Beziehungen zu diesem, imVergleich mit Ahnlichem und Verschiedenem beobachtet werden. Die wissenschaftlicheFixierung der Beobachtung ist die Beschreibung; jede halbwegs brauchbare Beschreibungsetzt aber schon ein geordnetes System von Begriffen und die Kenntnis der bekanntenund festgestellten Formen und Kausalverhältnisse voraus.

Die volkswirtschaftliche Beobachtung hat es mit Handlungen der einzelnen undder Gemeinschaften, mit den Motiven dazu, mit den Ergebnissen dieser Handlungen,mit den socialen Formen und Verknüpfungen, die daraus entstehen, zu thun. Ihr dientstets vereint innere und äußere Wahrnehmung. Die erstere giebt uns unmittelbareGewißheit über uns selbst und durch Vergleichung mit den Worten, Mienen und Hand-lungen der anderen auch über diese. Die zweite führt uns von dem bunten Weltbildeein kleines Stückchen direkt vor, das durch die Kraft seiner Anschaulichkeit uns sobeherrscht, daß wir in all' unserem Denken davon abhängig bleiben, welches Stück derWelt, hier der volkswirtschaftlichen Welt, wir selbst gesehen und erlebt. Die weitausgrößere Hälfte der Wahrnehmungen empfangen wir indirekt durch Erzählung, Lektüre,Berichte aller Art. Das Maß von Phantasie und Kraft der Vorstellung, über welcheder einzelne verfügt, bediugt die Wirksamkeit dieser verblaßten, schemenhaften, indirektenBilder. Das Maß von Scharfsinn, Kritik, methodisch hiezu angeleitetem Verstände, dasdem einzelnen eigen ist, bedingt den richtigen oder falschen Gebrauch von diesen sekun-dären Weltbildern. In der überlieferten Wissenschaft empsängt der einzelne eine syste-matisch angeordnete, nach gewissen richtigen oder schiefen Gesichtspunkten zurecht gemachte,teilweise zu farblosen Abstraktionen verflüchtigte Summe von Beobachtungsresultaten,welche die große Menge gläubig hinnimmt, welche der Forscher stets von neuem wiederprüft und ordnet.

Alle Beobachtung ifoliert aus dem Chaos der Erscheinungen einen einzelnen Vor-gang, um ihn für sich zu betrachten. Sie beruht stets auf Abstraktion; sie analysierteinen Teilinhalt. Je kleiner er ist, je isolierter er sich darstellt, desto leichter ist dasGeschäft. Die relative Einfachheit der elementaren Naturvorgänge erleichtert auf dem Gebieteder Naturwissenschaften die Beobachtung fehr; es kommt dazu, daß der Naturforscher esin seiner Gewalt hat, die Umgebung, die mitwirkenden Ursachen beliebig zu ändernd. h. zu experimentieren und so den Gegenstand von allen Seiten her leichter zu fassen.Nicht bloß ist das bei volkswirtschaftlichen Erscheinungen häufig nicht möglich, sonderndiese sind stets auch in ihrer einsachsten Form sehr viel kompliziertere Gegenstände,abhängig von den verschiedensten Ursachen, beeinflußt durch eine Reihe mitwirkenderBedingungen. Nehmen wir eine Steigerung des Getreidepreises, des Lohnes, eine Kurs-Nerändcrung oder gar eine Handelskrisis, einen Fortschritt der Arbeitsteilung; fastjeder solche Vorgang besteht aus Gefühlen, Motiven und Handlungen gewisser Gruppenvon Menschen, dann aus Massenthatsachen der Natur (z. B. einer Ernte) oder destechnischen Lebens (z. B. der Maschineneinsührung), er ist beeinflußt von Sitten undEinrichtungen, deren Ursachen weit auseinander liegen. Es handelt sich also stets odermeist um die gleichzeitige Beobachtung von zeitlich und räumlich zerstreuten, aber insich zusammenhängenden Thatsachen. Und vollends wenn typische Formen des volks-wirtschaftlichen Lebens, wie die Familienwirtschaft, die Unternehmung oder konkret einebestimmte Volkswirtschaft, ein Industriezweig beobachtet werden sollen, so steigert sichdie Schwierigkeit des Selbst- und des Richtigsehens, des Zusammenordnens von vielenBeobachtungen außerordentlich. Die Möglichkeit von Fehlern liegt um so näher, jegrößer, verzweigter, komplizierter die einzelne Erscheinung ist. Die an sich berechtigteVorschrift, einen zu untersuchenden Vorgang in seine kleinsten Teile aufzulösen, jedenfür sich zu beobachten und aus diefen Beobachtungen erst ein Gesamtergebnis zusammen-zusetzen, ist nur unter besonders günstigen Umständen restlos durchzuführen. In derRegel handelt es sich darum, aus gewissen, an einem Vorgang festgestellten sicherenDaten die übrigen nicht oder nicht genügend beobachteten schließend zu ergänzen undso sich ein Bild von dem Ganzen desselben zu machen; das geschieht unter dem Einflüsse