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Erstes Buch. Land, Leute und Technik.
erschöpfende, schädliche Handarbeit in Bergwerken und Hausindustrien, aus Schiffen undaus dem Ackerselde; eine ausbeutende, gesundheitsschädliche, verkümmernde Handarbeit vonSklaven, Leibeigenen und Freien ist sast in allen älteren Kulturländern früher vorhandengewesen, wo nicht eine besonders gute sociale Ordnung die Handarbeiter dichtbevölkerterGebiete vor socialem Drucke schützte. Und ihnen eröffnete die Kraft- und Arbeits-maschine wenigstens die Möglichkeit einer Abnahme der übermäßigen Muskelanstrengung.Ob sie praktisch gelang, hing freilich davon ab, ob die Maschine nicht gleich mit einerunnatürlichen Verlängerung des Arbeitstages, schlechten Räumen, ungesunder Luft undmit unvollkommenen socialen Institutionen überhaupt sich verband. Daran fehlte es.Und deshalb sind auch die sekundären Folgen der Überarbeit, der schlechten Ernährungund Wohnung, wie proletarische Vermehrung, Trunkenheit, Schlaffheit, die längst beivielen Handarbeitern vorhanden waren, nicht sofort mit der Maschine verschwunden,sondern teilweise noch sehr gewachsen.
Aber diese Begleitumstände, mehr als die moderne Maschine, erzeugten 1770 bis1850 so vielfach einen entarteten Arbeiterthpus. Daß heute unter veränderten undverbesserten socialen Bedingungen zahlreiche gesunde, kräftige, geistig und sittlich voran-schreitende Maschinenarbeitertypen sich gebildet haben, kann kein Unbefangener leugnen.Nur ist die Frage, auf welche und wie große Teile der Maschinenarbeiter sich diesegünstige Aussage beschränke oder ausdehne.
Daß manche Maschinen und maschinellen Arbeitsprozesse mit ihrer Zerlegung inkleine Teiloperationen, auch wo sie dem Menschen Muskelanstrengung abnahmen, ihnzu mechanischer, geisttötender, monotoner Thätigkeit des Fadenknüpsens, Rohstoffauf-gebens, Handgriffemachens nötigten, ist bekannt. Ein Teil der neuen Technik hat sofortdie Beteiligten gehoben, ein anderer hat sie körperlich und geistig herabgedrückt; esfragt sich nur, wie weit man die letztere Wirkung durch sociale Anordnungen einschränken,wie weit man durch noch größere technische Fortschritte, durch sich selbst bedienende undregulierende Maschinen die rein mechanische Arbeit des Menschen noch mehr als bisherbeseitigen könne. Fast alle Arbeit aber an der Maschine hat neben der geisttötendenWirkung des Mechanischen eine erziehende, anregende: sie leitet zu Ordnung und Prä-cision, zum Nachdenken und zum Erwerbe technischer Kenntnisse an. Je komplizierterder Maschinenmechanismus wird, desto mehr braucht man für die meisten, nicht füralle Arbeiten in ihm Verantwortliche, kluge, kenntnisreiche, gut genährte und bezahlteArbeiter. Mögen wir also an meisterhafter Handausbildung keine Arbeiter mehr habenwie die Gehülfen des Praxiteles und die Gesellen in der Werkstatt Peter Wischers waren, ineiner großen Anzahl unserer technisch hochstehenden Industrien haben wir Arbeiter, welchetechnisch, geistig, körperlich und moralisch den Vergleich mit den besseren Arbeitern allerZeiten nicht nur aushalten, sondern sie übertreffen. Freilich nur da, wo die sittlicheOrdnung unserer modernen Betriebseinrichtungen schon die schlimmsten Mißbräuche derersten Gestaltung überwunden hat, da, wo man einsah, daß der Betrieb nicht bloßnach der Leistungssähigkeit der Maschine, sondern ebenso nach der des arbeitendenMenschen eingerichtet werden muß. Das hatten die Unternehmer, wie Cunningham sagt,zuerst ganz vergessen! —
Fassen wir unser Urteil über das Maschinenzeitälter zusammen: Die einseitigenOptimisten, wie Michel Chevalier , Passy, Reulcaux, auch einzelne Socialisten, wieFourier und Bebel, sehen nur das Licht, die einseitigen Pessimisten, wie Sismondi ,Marx, überwiegend den Schatten; die wissenschaftliche Betrachtung ist mit Nicholson,Marshall, Hobson doch überwiegend zu einem gerechten, wohlabgewogenen Urteilegekommen. Die moderne Technik und die Maschine haben aus einer Volkswirtschaft mitmäßiger Bevölkerung, Kleinstädten, durch die Wasserkräfte zerstreuten Gewerben, mitfeudaler, stabiler Agrarversassung, lokalem Absatz, geringem Außenverkehr eine solchegemacht, die durch dichte Bevölkerung, Riesenstädte und Jndustricccntren, Großbetrieb,großartigen Fernverkehr und weltwirtschaftliche Arbeitsteilung sich charakterisiert. Dieseneue Volkswirtschaft zeigt in Westeuropa und den englischen Kolonien einschließlich derVereinigten Staaten übereinstimmende technische, aber daneben doch sehr verschiedene