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Die Regulierung der Elbschiffahrt 1819 - 1821 / von Martin Kriele
Entstehung
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F. ABSCHNITT

wie zu dem Verkehr der betreffenden Länder ohne Be-lang war. 6 )

Der natürliche Zustand der Elbe ist zu keiner Zeitein sehr günstiger gewesen. Im Mittelalter sowohl wie imsechzehnten, siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert teiltesie dieses Loos mit allen Strömen, welche für den Schiff-fahrtsverkehr benutzt wurden, wenigstens in Deutschland .

Das Bett der meisten, und zwar der wichtigsten Flüssein Deutschland war auch noch im achtzehnten Jahrhundertversandet. Baumstämme und Geröll aller Art aus demGebirge hinderten die Beweglichkeit der Schiffahrt. Un-tiefen und Stromschnellen waren bald hier, bald dort gefahr-drohend. Die Leinpfade längs der Ufer, welche in einerZeit, in der die Kraft des Dampfes noch nicht für denGütertransport benutzt wurde, um sehr vieles wichtiger alsheute waren, waren nur unter grossen Beschwerlichkeitenpassirbar. 7 ) Zur Hebung dieser Missstände wurde von Seitender einzelnen Begierungen wenig gethan, sei es aus finan-ziellen Gründen, sei es infolge der geringen Entwicklungdes Bau-Ingenieurwesens.

Zu diesen allgemeinen Hemmnissen kamen noch beijedem einzelnen Flusse spezielle, welche zum Teil noch inunseren Tagen bestehen, da bisher die menschliche Arbeits-kraft und die Technik ihnen nicht gewachsen waren. Fürdie Elbe ist hier namentlich das Folgende zu erwähnen.

Noch heute leidet die Schiffahrt fast auf der ganzenStrecke oberhalb Hamburgs , ungefähr des Endpunktes fin-den Wechsel von Ebbe und Flut, im Spätsommer undHerbst sehr unter niedrigem Wasserstande. Oft wochen-lang muss sie daher unterbrochen werden und die geradeauf der Fahrt befindlichen Fahrzeuge müssen auf der Streckeeinen Hafen zum Unterbrechen der Fahrt aufsuchen. ImFrühjahr verursacht die Elbe, nicht allein für die Schiffahrt,sondern auch für die Landwirtschaft, auf den beiden Uferngrossen Schaden, indem sich die Eismassen im Flussbetteauftürmen und dadurch das Wasser gestaut wird, sodassdie Deiche schliesslich durchbrochen und weite Flächen oftviele Wochen lang unter Wasser gesetzt werden. Vor-