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Die Regulierung der Elbschiffahrt 1819 - 1821 / von Martin Kriele
Entstehung
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DIE ELBSCHIFFAHRT V. D. DRESDENER VERHANDLUNGEN 18

Mächte, eine jede für ihren Theil des Flusses, den Laufdesselben in einem schiffbaren Zustande zu erhalten, denFluss von den sich etwa äussernden Hindernissen zu befreienund nichts zu unternehmen oder seinen Unterthanen ge-statten, was den Stand des Ufers oder des Thalweges zumNachtheil des anderen Theils verändern könnte. Wennauch diese allgemeinen Sätze zunächst gar nichts besagten,so sind sie doch jedenfalls als ein ganz directer Vorfahreder Elbschiffahrtsakte zu betrachten. Von grosser prak-tischer Bedeutung sind sie allerdings wohl kaum gewesen,da ja die Herrlichkeit Jeröme-Napoleons in Kassel und aufWilhelmshöhe nicht von langer Dauer war. An dem Statusder Elbzollerhebungen sollte nichts einseitig geändert werden.

Gerade diese Verhandlungen zwischen den Delegirtendes Königs von Preussen und denen des Königs von West-phalen sind als eine, wenn auch kleine, Vorarbeit zu denDresdener Conferenzen zu betrachten. Sie haben die preussi-sche llegierung jedenfalls mit Arbeiten bekannt gemacht,welche die gemeinschaftlichen Interessen an der Elbschiffahrtforderten.

Die leitenden Staatsmänner der einzelnen Staaten sahendie wirtschaftlichen Forderungen einer neuen Zeit in Wien wohl ein. Das Zustandekommen der Wiener Akte zeigtdeutlich, dass sie darüber einig waren, was speciell für denFlussverkehr zu tliun war. Aber die Schwierigkeiten hattensie nicht genügend erkannt, welche bei der Lösung derFrage entstehen würden, auf welchem Wege an das Zielzu gelangen sei. Die einzelnen Ressortminister konntensich unmöglich plötzlich von der bisherigen, rein-fiskalischen,Strompolitik trennen. Sie wussten die vorauszusehendenAusfälle an staatlichen Einnahmen nicht zu ersetzen, zumalda in dieser politischen Restauration die staatlichen Aus-gaben plötzlich und schnell gewachsen waren. Wir stehenhier mitten in einem für die Volkswirtschaft sehr bedeut-samen Zeitraum. Auf der einen Seite sehen wir die libe-ralen Ideen und die allseitig nach den Kriegen hervor-tretenden Verkehrsbedürfnisse, auf der anderen Seite dieletzten Reste des Merkantilsystems und die Einnahmebedürf-