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I. ABSCHNITT
nisse der erschöpften Staaten. 32 ) Auch in der volkswirt-schaftlichen Litteratur sehen wir ganz die Übergangszeitcharakterisirende Erscheinungen: in Hamburg pries in derWende des Jahrhunderts Johann Georg Büsch mit Begeiste-rung das Concurrenzsysteni und rief die „deutschen Fürstenund deutschen Rahtgeber im Regiment“ auf, mit allenKräften Deutschland zu einem Lande zu machen, welchesin Gewerbefleiss, Handel und Verkehr der ganzen Welt einMuster wäre und diese von sich abhängig mache; und zuderselben Zeit schreibt Johann Gottlieb Fichte sein merk-würdiges Buch: „Der geschlossne Handelsstaat “, nach wel-chem Deutschland nach aussen wie das Reich der Chinesenabgeschlossen wurde und im Inneren als socialistischesGemeinwesen, also ohne jede Spur von freier Concurrenz,sich aufbaute.
Der Kampf dieser beiden wirtschaftlichen Richtungenfällt zu Gunsten der jüngeren, des Concurrenz-Systems, aus.Denn infolge der Neuregelung des politischen GleichgewichtesEuropas durch die napoleonischen Feldzüge und die sich andieselben anschliessenden Friedensschlüsse und Congressowar der Gedanke des internationalen Interesses der einzelnenNationen und Staaten klar zu Tage getreten und daher dieeinzelnen Staaten zu einem möglichst freien Verkehr untersich geführt worden. Die Kontinentalsperre wurde einwarnendes Beispiel. Wie immer, so würde auch bei diesemWechsel der Politik eine sprungweise Entwicklung mit dengrössten Nachteilen verbunden gewesen sein. Die Gefahrlag offen zu Tage; denn die englischen Lehrsätze und derSinn für das Wirtschaftlich-Vollkommene hatten sich in denKöpfen festgesetzt. Hand in Hand mit der Ordnung derVerkehrsmittel musste daher eine Reform des Steuerwesensgehen. Die preussische Steuergesetzgebung von 1818 ver-körpert diese Bedürfnisse in sich.
Dieser Entwicklung stellte sich aber in Deutschland ein Hindernis in der souveränen Zerstückelung entgegen.Heinrich von Treitschke hat im Anfang des dritten Bandesseiner Deutschen Geschichte im neunzehnten Jahrhunderteine sehr lebhafte Schilderung der deutschen Kleinstaaterei,