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Die Konkurrenz als Ausleseverfahren; Borzüge und Nachteile.
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als nur segensreich, von den anderen nur als verderblich betrachtet wurde. Den einenerschien sie als das große Erziehungs-, den anderen als das Vernichtungsinstrument.
Die ersten Verherrliche! der freien Konkurrenz waren Child, North, Davenant,die Physiokraten und Adam Smith. Die Konkurrenz, ruft Bastiat , ist die Freiheit,ist das demokratische Gesetz, das die Unterschiede ausgleicht, eine wirksame Gemeinschafterzeugt, die großen Wohlthaten der Natur allen zugänglich macht, den Konsumentenbillige und gute Waren schafft. Die Konkurrenz, sagt Cauwes, macht die Bedingungendes Tausches unpersönlich, proportioniert Bedars und Vorrat, macht den einzelnenunabhängig, ermäßigt die Gewinne, regelt die Produktion am besten. Die Konkurrenz,sagt Röscher, ist die natürliche Folge von persönlicher Freiheit und freiem Privat-eigentum, sie entfesselt alle Kräfte der Volkswirtschaft, allerdings auch die bösen nebenden guten. Wo über Konkurrenz geklagt werde, meint er, sei häufig das Fehlen derKonkurrenz von der einen Seite die Ursache. I. St. Mill sagt, das Verlangen nachSchutz gegen Konkurrenz bedeute Enthebung von der Notwendigkeit, so fleißig und sogeschickt zu sein wie andere Leute.
Aber schon Fichte nennt die sreie Konkurrenz ein Raubsystem, Michel Chevalier ein Schlachtfeld, auf dem die Kleinen von den Großen verschlungen werden. Fouriermeint, sie erzeuge den Betrug im Handel und die allgemeine Spitzbüberei. NachLouis Blanc ist sie ein System der Vernichtung sür die Armen, qui xrexars ^ 1's.vönii'uns Zeneration ctserexits, estroxisk, gÄNgrsnös, pourris; der Verweis auf die Billigkeitsei eine Täuschung, da sie nicht anhalte; der Kon inÄreb.6, ruft er, ist die Keule, mitwelcher der reiche Produzent den armen totschlägt, der Hinterhalt, in welchen der kühneSpekulant den Fleißigen lockt, das Todesurteil für den Fabrikanten, der im Momentdie teure Maschine seines Konkurrenten nicht anschaffen kann; der don inaroüs ist derExekutor der Meisterstücke des Monopols, der Vernichter des Mittelstandes. DieKonkurrenz, sagt Engels, ist der vollkommenste Ausdruck des in der modernen bürger-lichen Gesellschaft herrschenden Krieges aller gegen alle; es ist ein Krieg um das Leben,um die Existenz, im Notfall auf Leben und Tod. Die Konkurrenz ist die schärssteWaffe der Bourgeosie gegen das Proletariat.
Proudhon erkennt beide Seiten; sür ihn ist die Konkurrenz einerseits der Ausdruckder socialen Spontaneität, das Sinnbild der Demokratie und Gleichheit, die Stütze derAssoziation, die Triebfeder der individuellen Kräfte, der Sieg der Freiheit und Selbst-Verantwortlichkeit, der Bekämpser der Faulheit; aber andererseits trägt die Konkurrenzden Mordinstinkt an der Stirne, untergräbt alle Begriffe von Billigkeit und Gerechtig-keit, vermehrt die wirklichen Kosten, erzeugt bald Teuerung, bald Entwertung; sie ver-dirbt das öffentliche Gewissen, indem sie das Spiel an die Stelle des Rechtes setzt underzeugt überall Mißtrauen und Schrecken. Aber, sügt er mit richtigem Instinkt bei,man muß die Konkurrenz nicht zerstören, sondern ihre Polizei finden.
Der gewöhnlichste Vorwurf ist heute, und zwar nicht bloß bei,den Socialisten,sie erzeuge die sogenannte Anarchie der Produktion, den Wechsel von Überangebot undUnterangebot, die Krisen, sie sei schuld an der allgemeinen Korruption des Verkehrs,und ihr letztes Resultat sei stets oder häufig das Monopol und die Ausbeutung.
Man konnte sagen, die meisten dieser entgegengesetzten Urteile seien ebenso falschwie wahr. Oder vielmehr, sie seien gar nicht entgegengesetzt, so wenig wie die Aus-sprüche zweier Ärzte, eine kleine Dosis von Arsenik belebe die Herzthätigkeit, eine großelähme sie und töte den Menschen.
Was wir Konkurrenz nennen, sind komplizierte gesellschaftliche, halb psychische,halb materielle Vorgänge sehr verschiedener Art und darum haben sie verschiedeneFolgen. Nur indem man die Personen und Personcnkreise, die Größe oder Enge desMarktes, die Verkehrsverhältnisse, die psychologische und sittliche Atmosphäre, die mit-wirkenden Rechtsinstitutionen unterscheidet, kann man zu einem wohlbegrüudcten Urteilkommen. Nichts ist falscher als die Vorstellung, die Konkurrenz oder die freie Kon-kurrenz sei eine einfache gesellschaftliche Einrichtung oder eine Verfassungsform derVolkswirtschaft, die man durch Gesetz dekretieren könne, und die dann stets bestimmte