Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Grade und Arten der Konkurrenz. Die Geschäftsdringlichkeit.

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lich fern gehalten, nicht eingreifen, aber je nach Preisen und Gewinnen, je nachbestimmten Nachrichten und Veranlassungen doch sich beteiligen. Die jeweilige Neu-anpassung der Produktion und des Handels an den Bedarf hängt mit dieser möglichenAusdehnung und Einschränkung der konkurrierenden Kreise zusammen.

Ebenso wichtig wie die Zahl ist die Art der Konkurrenten hauptsächlich in derBeziehung, ob für sie das abzuschließende Geschäft im Mittelpunkt oder in der Peripherieihrer wirtschaftlichen Lebensintercssen steht. So weit rein wirtschaftliche Ursachen dieStärke oder Schwäche der in einer Gruppe nebeneinander Konkurrierenden und dereinander gegenüberstehenden Gruppen bestimmen, werden wir sagen können, diese engereoder entferntere Beziehung des einzelnen Geschäfts zu den wirtschaftlichen Lebensinteressender einzelnen sei der ausschlaggebende Punkt für die Stärke der Wettbewerber. Eräußert sich aber je nach der Lage und Stellung der Betreffenden in verschiedener Weise.

Die Bedeutung des einzelnen Geschäfts muß sich zunächst je nach der Entwickelungder ganzen Verkehrswirtschast verschieden geltend machen. In älterer Zeit, so langedie Mehrzahl der Menschen nicht sür den Markt, sondern für die eigene Wirtschaft, fürden eigenen Konsum thätig war, erschien jeder Verkauf von Waren oder Arbeit für sieals eine mehr gleichgültige, zufällige Nebensache. Derartiges dauert aber auch heutenoch vielfach fort. Ein Teil unserer Bauern und Gutsbesitzer, auch viele andere aufdem Lande oder in kleinen Städten Lebende ernähren sich noch zum Teil von eigenenLebensmitteln; was sie an Produkten oder Arbeit als Bauern oder Handwerker oderTagelöhner verkaufen, mag immerhin wichtig für sie sein, aber es ist keine solche Existenz-frage, wie für den Besitzlosen der Verkauf seiner Arbeit, für den städtischen Kaufmannder Vertrieb seiner Waren. Die Tausende von heimarbeitcnden Frauen, die in derGroßstadt heute eine paar Stunden des Tages für den Zwischenmeister arbeiten, imübrigen einen Ernährer in ihrem Manne oder Vater haben, konkurrieren untereinandernicht so, machen ihre Interessen gegenüber dem Verleger nicht so geltend, wie die, welcheallein von solcher Beschäftigung leben.

Man wird weiter sagen können, daß überhaupt der Ärmere, von den Sorgen desLebens Gedrückte im ganzen mehr Anlaß zur Konkurrenz hat als der Wohlhabendeund Reiche, für den das einzelne Geschäft nie so dringlich ist wie für den, welcher anseinem Besitz einen Rückhalt hat. Freilich schließt das nicht aus, daß reiche Kaufleutemit ausgebildetem Erwerbstrieb doch energischer konkurrieren als manche unbemittelte,durch die Verkehrswirtschaft noch nicht so geschulte Leute. Die Verhältnisse sind über-haupt so kompliziert und wechselvoll, daß es nicht gelingen wird, alle Fälle und Gradeder Gcschäftsdringlichkeit hier zu erschöpfen. Es seien nur einige der wichtigsten Unter-scheidungen, die oft schon gemacht wurden, erwähnt. Sie erhalten ihr rechtes Lichtwesentlich durch den hier erörterten Gesichtspunkt der Geschästsdringlichkeit.

Man hat es mehrfach ausgesprochen: die Verkäufer konkurrierten eigentlich allein,die Käufer man meinte damit die Konsumenten wenig oder garnicht, nicht untersich, weil sie sich umeinander kaum kümmern, und nicht im Sinne eines Widerstandesgegen die Verkäufer. Daran ist viel Richtiges, sofern der verkaufende Kaufmann undFabrikant meist ein größeres Interesse am einzelnen Geschäft hat als der einkaufende,besonders der wohlhabende Konsument. Für den Verkäufer bedeutet es eine großeÄnderung seines Profits, ob er ein Pfund Kaffee ein paar Pfennige teurer oder billigergiebt, für den einkaufenden Konsumenten ist das ein so kleiner Posten seines Budgets,daß er vielfach kaum darauf achtet. Außerdem ist weiten Kreisen der Konsumenteneine gewisse Unkenntnis der Waren, oft auch eine Acht- und Sorglosigkeit in ihrerKonsumtion eigen, die sie in ihrem eigenen Geschäft ganz abgelegt haben. Sie, nochmehr ihre Frauen und Kinder, geben auf der Reise, im Laden Hunderte aus, ohne nachdem Preise zu fragen, während sie als Verkäufer in ihrem Geschäft um jeden Pfennigmarkten.

Neuerdings hat Dr. F. Oppenhcimcr die ganze wirtschaftliche und sociale Geschichteaus dem verschiedenen Interesse der Käufer und Verkäufer in der Art zu erklärengesucht, daß er so argumentiert: alle Käufer haben, wenn die Preist steigen, dasselbe