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Die Aufbringung der Prägekosten, die Entstehung der Scheidemünze,
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das notwendige Ergebnis, daß einzelne ehrlich darnach Verfahrende wie Kursachsen, fastnur noch grobes Geld schlugen (das kleine war ja nicht unter 17—25 Prozent Prägekostenherzustellen), alle anderen Münzberechtigten aber, um auf die Kosten zu kommen, um soviel leichtere und überwiegend Kleinmünzen prägten. Und dieses leichtere Geld verdrängteimmer mehr das gute; in diesem leichten Gelde stieg die Barrenmark rein Silber, die manzu etwas über 8 Guldcngroschen ausprägen sollte, rasch auf 9, 10 und mehr Gulden.Es war nur die Wahl, entweder nicht zu prägen oder schlecht zu prägen. Aus diesemDilemma kamen alle deutscheu Münzstätten bis ins 17. und 18. Jahrhundert nicht heraus.
Es gab nur zwei Auswege: den einen betrat England 1666, indem es allePrägungskosten auf den Fiskus übernahm; wo das geschah, konnte man in der Haupt-sache redliche, gute Münze nach dem Münzgesetz herstellen; freilich fragte es sich, ob dieRegierung immer genügend sür gutes Kleingeld sorgte; auch die englische that es langenicht. Den anderen Ausweg hat man zuerst in Florenz und Venedig, viel später, aberlangsam und nie vollkommen in Deutschland und anderwärts eingeschlagen: man be-stimmte, daß für gewisse größere Zahlungen im Handel, im Zoll u. s. w., von einergewissen Grenze an nur die besseren Gold- oder Silbersorten zuzulassen seien, so daßdie untcrwertige Klcinmünze nur für den Detailverkehr und sür Teilzahlungen rechtlichin Anwendung komme. Das war aber nur durchzusetzen, wenn a) die Privaten nie solch'kleine Münzen prägen durften, b) die Regierung selbst sich Schranken in der Mengedes geprägten Kleingeldes auferlegte und e) niemand Kleinmünze außer für die kleinenZahlungen zu nehmen brauchte. Seit dem 14. Jahrhundert beginnen die Anläufe indieser Richtung.
Die deutsche Reichsmünzordnung von 1559 bestimmte, daß niemand bei großenZahlungen mehr als 25 Gulden kleine Münze zu nehmen brauche, daß kein Münzstandmehr solcher Münze als für den täglichen Bedarf prägen dürfe. Die letztere Klauselwar nicht klar und scharf genug; die Durchführung war überhaupt aus finanziellenund technischen Gründen sehr schwer. Erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts bildetesich der feste Rechtsbcgriff der Scheidemünze in dem soeben unter a—o fixierten Sinneaus. Nur sehr langsam kamen die bestverwalteten Staaten zu einer beschränkten Prägungdes Kleingeldes und zu dem Rechtssatz, daß es bei großen Zahlungen abgelehnt werdenkönne. Preußen prägte endlich 1764—86 ans ^/s Groß- nur noch ^/s Scheidemünzen undließ im Landrecht bei den Zahlungen unter 30—10 Thaler die Hälfte in Scheidemünze,bei den unter 10 lauter Scheidemünze zu. Erst in diese Epoche des Sieges richtigerScheidemünzgrundsätzc sällt auch die allgemeine Ermäßigung der Prägungskosten auf2—1/2 Prozent; infolge vorangeschrittener Technik war so die Herstellung geordneterGeldzustände sehr erleichtert. Die seit 1559 in Tirol begonnene Prägung mit der Walzestatt der mit Hammcrschlag war ein großer Fortschritt, aber sie gelang doch erstlangsam, hat im 16. Jahrhundert sicher noch keine Verbilligung der Prägung herbei-geführt. Erst der Balancierer oder die Spindelpresse, auch Stoßwcrk genannt, welcheden Prägestock durch eine Schraube bewegte (1650—1800), und die Ringprägung schufenein vollendetes mechanisches Prägen der Münzen und eine gute Randhcrstcllung. Diegroßen sabrikartigen Münzen mit Dampskrast, mit Walzwerk zum Herstellen der Zaine,mit automatischer Justierwage und dem mechanisch bewegten Hebelwerk zum Prägen(statt der Schraubenbewegung des Balancierers) gehören erst dem 19. Jahrhundert an.Man prägt jetzt mit solcher Einrichtung das 20-Markstück zu 0,287, das 10-Markstückzu 0,430, das 1-Markstück zu 1,75, die 10-Psennigstücke zu 2 Prozent ihres Nominal-wertes. —
In dieser ganzen Epoche von 1300-1800 wnrde durch das Schwanken und dieUnsicherheit des Gehaltes und des Wertes der Münzen zwar nicht immer, aber dochsehr häufig und sür lange Zeit eine Unsicherheit alles Vermögensbesitzes und allesEinkommens herbeigeführt; die älteren Münzvcrrufungen und die späteren sich immernoch oft wiederholenden amtlichen Herabsetzungen des Münzwertcs schädigten stetsgroße Teile der Bevölkerung. Meist hatten die kleinen Leute, die Armen und wenigerSachkundigen dadurch zu leiden, daß sie alle Münzen zu hoch annehmen mußten