Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Grunde gegen die internationale Doppelwährung,

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gleiche Währung in allen Staaten und Ländern haben zu wollen, ist ein kindlicher, un-durchführbarer Wunsch; man könnte ebenso gut wünschen, daß alle die gleiche Arbeits-teilung, die gleiche Technik, die gleiche Sprache und Regierung hätten.

Gewiß berührt heute das Geldwesen jedes Landes alle die Staaten, die mit ihmin Verkehr stehen, aufs tiefste. Und deshalb werden in Zukunft die internationalenMünzkongresse fowie Münz - und Währungsverträge nicht aufhören, sondern eine immergrößere Bedeutung erhalten. Aber sie werden nicht plötzlich die ganze Welt und ihrGeld unifizieren können. Es bleiben ihnen große und dringliche Ausgaben genug. Dienächsten Ziele werden sein 1. in den Goldwährungsländern eine gleiche Behandlungder Silbermünze herbeizuführen, 2. auf eine möglichste Beseitigung der Papierwährungin allen Staaten hinzuwirken, 3. dafür zu sorgen, daß der Kreis der Goldwährungs-länder nicht übergroß ausgedehnt werde, 4. den täglichen Schwankungen des Gold-wertes der verschiedenen Länder und Valuten in der Art entgegenzuwirken, daß siemöglichst verschwinden, daß die Wertdifferenz stabilisiert werde. Vielleicht ist es auchmöglich, dafür zu sorgen, daß möglichst alle Staaten eine Goldreserve zur Ausgleichungder internationalen Zahlungen erhalten, und daß diese Ausgleichung durch ein großesinternationales Institut erfolge. Durch derartige Maßnahmen werden die heutigenSchattenfeiten der Verschiedenheit der Währungen gemildert, das Geldwesen der ver-schiedenen Staaten wird einander genähert, der internationale Zahlungsverkehr wirderleichtert, ohne daß man durch gewagte Experimente die nationale Selbständigkeit desGeldwesens aufhöbe, wozu die heutigen Anfänge einer Weltwirtschaft noch lange nichtberechtigen.

169. Ergebnisse: Wesen und Folgen der Geldwirtschaft. Fragenwir zum Schlüsse, was diese ganze Entwickelung des Geld- und Münzwesens für dasvolkswirtschaftliche und sociale Leben, ja für alles menschliche Wollen und Handelnbedeute, so ist die scheinbar einfache Antwort die, sie habe die Geldwirtschaft geschaffen.Aber was heißt dies? was bedeutet dieser allgemeine Begriff, in welchem wir dasVorhandensein der Geldcirkulation und alle die vielfältigen wirtschaftlichen Einrichtungenund Folgen zusammensassen, welche sich daran geknüpft haben. Indem wir die Geld-wirtschast der Naturalwirtschaft entgegenzusetzen Pflegen, stellen wir zwei wirtschafts-geschichtliche Sammelbegriffe nebeneinander und verdeutlichen so etwas den Gegensatz,aber wir erklären ihn noch nicht. Und wenn wir die Naturalwirtschaft näher definierenwollen, so sehen wir, daß der Begriff recht verschieden angewandt wird. Man denktbei ihr zunächst an die Wirtschastsweise primitiver Stämme und Völker ohne oder fastohne allen Verkehr, jedenfalls ohne Geldverkehr, an die älteren agrarischen Zustände, wobeiteils die einzelnen für sich, teils die Familie und die Sippen für sich produzieren, was siekonsumieren. Aber auch viel spätere Zustände, z. B. die ländlichen des 18. Jahr-hunderts mit Grundherrschast, Fronen, Naturalabgaben Pflegt man noch als Natural-wirtschaft zu charakterisieren. Man könnte fast sagen: Natural- und Geldwirtschastseien fast überall, auch heute noch, bis auf einen gewissen Grad mit einander verbunden.

Wir haben gesehen, daß die Entwickelung des Geld- und Münzwesens Jahr-hunderte, ja Jahrtausende zurückreicht. In der Mitte des 3. Jahrtausends vor Chr.rechnete und kaufte man in den babylonischen Städten alles mit Edelmetall, zwar nichtmit gemünztem, aber doch mit einem in große und kleine Stücke geteilten, in bestimmteForm und Gewichtsgrößen gebrachten; hier, wie in Ägypten und anderwärts existierte alsoein Zustand, der einen nicht unbedeutenden wirtschaftlichen Verkehr einschloß, der denalten Naturaltausch abgestreift hatte, ja der über das ältere rohe Naturalgeld schouweit hinaus war; ein solcher Verkehr näherte sich schon stark dem mit gemünztem Gelde,wie wir ein solches in Lydien etwa 675657 v. Chr. zuerst sicher treffen. Dieserbabylonische Verkehr übertraf in seinen allgemeinen Folgen den Geldmünzverkehr, z. B.im karolingischen oder ottonischen Reiche ohne Zweisel weit. Was wir als Geldwirtschaftbezeichnen, ist also eine langsame Entwickelung von 45 Jahrtausenden, auch wenn wirdas ältere Vieh- und ähnliches Naturalgeld ganz ausscheiden; wollten wir auch dieseseinbeziehen, so hätten überhaupt fast alle Zeiten und Völker, die wir kennen, Geld-