152 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Gütcrumlaufes u> der Einkommensverteilung, ^gly
folgendes: jede privatwirtschaftliche Aufstellung von Kosten geht teilweise auf Be-zahlungen zurück, die vor Monaten, vor Jahren gemacht wurden; wer Verträge aufJahre über Pacht, Miete, Zins geschlossen, wer Grundstücke vor Jahren, Rohstoffe vorMonaten gekauft hat, will entsprechenden Ersatz dieser Kosten. Wenn nun seither dieGeldpreise dieser Elemente sich geändert haben, und wenn neben den Produzenten, diesrüher einkauften, eine große, den Markt beherrschende Zahl solcher steht, welche vonden billigeren Preisen der jüngsten Gegenwart ausgehen, so werden diese den Marktund den Preis beherrschen: die sogenannten Reproduktionskosten, die so im Gegensatzzu den Kosten einer bereits halbvergangenen Epoche gedacht werden. Als Schluß crgiebtsich, daß diejenigen, die srüher teurer eingekauft, beim gesunkenen. Verkaufspreis Verlusthaben, diejenigen, die früher billiger gekauft, einen Extragcwinn erzielen. Voraussetzungdes Eintreffens dieses Erfolges aber ist die siegreiche Konkurrenz derer, die in neuesterZeit sich auf die Produktion eingerichtet. Ist dieser Sieg nicht vorhanden, bleibenteurere und billigere Produktion nebeneinander für die Nachfrage nötig, so entscheidetnatürlich wieder die teuerste noch begehrte Produktion; der billiger Produzierende machtExtragcwinn, ob seine Produktionselemente und ihr Buchwert der jüngsten Gegenwartangehören oder Jahre zurückreichen.
Alle Produzenten aber werden gleichmäßig den Unterschied machen, daß sie sürVorarbeiten und Aufwendungen, die ein oder mehrere Jahre zurückliegen, eine andereVergütung zu erhalten suchen, als für die gestern gemachten. Bei unendlich vielenwirtschaftlichen Produktionen sind Anlagen nötig, die zunächst Jahre hindurch unbezahltbleiben; die erste Ernte von Weinbergen und Kaffeeplantagen kommt erst nach Jahren;viele Waren müssen lange liegen, bis sie gcnußreif sind; um Salzlager zu erschließen,sind Bohrungen und Vorarbeiten nötig, die erst nach Jahren sich bezahlt machen.Alles Kapital stellt, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, Gütervorräte dar, dienicht bloß Arbeit gekostet, unter Umständen Seltenheitswert haben, sondern die auchmehr oder weniger durch Aufbewahrung wertvoller geworden sind. Die gewöhnlicheprivatrechtliche Form, in der sich das ausdrückt, ist die, daß wir sagen, das Kapitalhat so viel Monate oder Jahre Zinsen gekostet, weil jeder, der sremde Kapitalien zurProduktion verwendet, Zins für die Zeit zahlen muß, für welche er dem Eigentümerdie eigene Nutzung entzogen hat. Dementsprechend fordert er in den Produktionskostenentsprechenden Ersatz und erhält ihn, sosern er richtig, d. h, der Nachfrage entsprechend,produziert hat. Und insosern ist der allgemeine Satz richtig, daß neben den Arbeits-kosten der Kapitalzins ein Element der Produktionskosten sei. Zwei Güter, welchegleiche Arbeit gekostet, von welchen aber das eine nur Arbeit der Gegenwart, dasandere dieselbe Arbeit vor zehn Jahren erforderte, können im Wert für gewöhnlich nichtgleich stehen, oder was dasselbe ist, gleiche Arbeit und ungleicher Kapitalaufwand fürzwei Güter bedingen nicht gleichen, sondern verschiedenen Wert. —
Wir fügen noch zwei Bemerkungen über die zusammengesetzten Produktionskostenund die Verkehrs- und Handelskosten als Teile der Produktionskosten bei.
Wenn zwei Güterarten notwendig regelmäßig zusammen produziert werden, >wieBlei, Kupfer und Silber meist im Bergbau, Getreide und Fleisch in der Landwirtschaft,Gas und Coaks in der Gasfabrik, so haben sie zusammengesetzte Produktionskosten, undder Unternehmer wird sür sein Geschäft stets nur fragen, ob er durch die Preise derzwei oder mehr Güter zusammen seine Kosten ersetzt erhalte. Er mag also buchmäßigrechnen, daß unter seinen Roheinnahmen von 10 000 Mark das Getreide 60, das Fleisch40 Prozent ausmachen sollte; so lange er nur 10 000 Mark im ganzen einnimmt, hater keinen Anlaß zur Änderung, wenn etwa das Getreide aus 40 Prozent der Einnahmesinkt, das Fleisch auf 60 steigt. Es wird auf die verhältnismäßige Stärke der Nachfragenach dem einen und andern Produkt ankommen, welcher Fall eintritt. Wenn fremdeKonkurrenz im einen Zweige die Preife drückt, wird der Produzent versuchen, die Pro-duktion im andern zu steigern, erst wenn ihm dies nicht gelingt, hat er Schaden, wird erdaran denken, seine Produktion anders zu gestalten, etwa den einen Teil der Produktiondurch anderes zu ersetzen. Jedenfalls handelt es sich hier nicht um einen Fall der