Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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162 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung.

politischen Verhältnisse dieser Länder so zu ordnen, daß die Betriebe nicht gestört werden.Die Bergwerkseinrichtungen sind nicht billig, aber die Erze als solche haben fast keinenSeltenheitswert mehr; die zukünftige Produktion wird wahrscheinlich keine andere Grenzeals den sollenden Silbcrwert haben. Die Goldproduktion war hauptsächlich bishereine solche in den Schwemmländern der Niederungen, wohin das Wasser die Erzteilchengebracht; sie war damit wesentlich vom Zufall der Entdeckungen beeinflußt; der Kapital-auswand beim Betrieb war nicht sehr hoch; künftig wird mehr und mehr auch berg-männischer Abbau nötig; aber das Vorkommen bleibt ein unregelmäßigeres; undvieliach lagert das Gold zu tief in der Erde, um es überhaupt zu erreichen. Daherdie Furcht, die Produktion des Goldes werde einst ganz aufhören. Zunächst ist hiervonnicht die Rede; sie hat nach der kolossalen Zunahme von 185175 zwar wieder um!/4 abgenommen, dann aber 1886 bis zur Gegenwart wieder sehr zugenommen.Die Silberproduktion stieg in unserm Jahrhundert von jährlich 0,6 auf 45 Mill.Kilogramm. Für die nächsten hundert Jahre wird die Produktion neben der technischbedingten Höhe der Produktionskosten wesentlich von den neuen Entdeckungen und derpolitischen Lage der Produktionsländer abhängig bleiben.

Natürlich dars man nun aber aus der Größe der jeweiligen Produktion und demBetrag, der hiervon dem einzelnen Land zukommt und da als Geld auftritt, nicht ohneweiteres auf den Wert schließen, wie das in einseitiger Weise früher oft geschehen ist.Denn es kommt neben dem Angebot auf den Bedarf, neben der Geldmenge auf ihreFunktion an, wie wir sehen, wenn wir uns die Nachfrage klar machen.

l>) Die Nachfrage nach Edelmetall wird in jedem Lande bestimmt 1. durchden Bedarf für Geräte und Schmucksachen, 2. durch das Bedürfnis für den Handelmit Gebieten, die in Edelmetall Vergütung ihrer Waren begehren und 3. durch denGeldbedarf selbst. Dieser ist zunächst durch die Münz - und Währungsgesetzgebung auseines oder beide Metalle geleitet; er ist dann hauptsächlich abhängig von der Art, wiedie Geld- und Kreditwirtschast gesiegt hat, wie die Münze aus einem Schatzmittel mehrund mehr ein bloßes Zahlmittel und zwar ein durch Kreditmittel ersetzbares gewordenist. Es kommt also an auf die Größe und Menge der durch Geld vermittelten Wert-übertragungen, auf die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, die mit der öffentlichenSicherheit wächst, aber auch in den Kulturstaaten der Gegenwart von Jahr zu Jahrje nach den Zahlungsbedürfnissen und den Konjunkturen sehr schwanken kann, dannaber auch auf die Menge und die Umlaufsgeschwindigkeit der kreditmäßigen Stell-vertreter des Geldes, Banknoten, Papiergeld, Wechsel, Check- und Giroübertragungen.Der Bedars an Zahlmitteln wächst mit der Ausbildung der Geldwirtschaft, dem Ver-kehr, der Zunahme aller Geschäfte. Wenn die Edelmetall- oder Geldmenge sich ver-zehnfacht, aber die Zahlungen ebenso, so kann der Geldwert ganz derselbe bleiben.Dieselbe Geldmenge kann, wenn sie rascher umläuft, ein Sinken, wenn sie langsamercirkuliert, ein Steigen des Geldwerts herbeiführen. Vollends die Ausbildung desZahlungskredits verändert den Geldbedarf wesentlich.

In den entwickeltesten Kulturländern haben heute die Banken Barvorräte anEdelmetall und Münzen, welche den cirkulierenden Münzen teils zur Hälste oder ganzan Wert gleichkommen, teils sogar sie übertreffen; diese Barvorräte können außer-ordentlich in ihrem Betrage schwanken, liegen zeitweise lange unbenutzt, setzen dann sichwieder rasch um; dem direkten Zahlungsbedürfnisse dienen diese Vorräte nicht, so not-wendig sie sind. So kann eine Verdoppelung des geprägten Geldes dazu sühren, daßsie sehr zunehmen, ohne daß die Cirkulation, der Geldwert und die Preise davon berührtwerden. Noch stärker in gleicher Richtung wirken die Kreditmittel. Der Giro- undKassenverkehr des Berliner Kassenvereins stieg von 7,2 Milliarden Mark 1870 aus26,6 1872, sank auf 9,5 1876; das Londoner Clearinghaus hatte 1868, 1873, 1379,1390 und 1892 Umsätze von 3,4, 6,0, 4,8, 7,8 und 6,4 Milliarden Pfd. Sterling, demwechselnden Bedürfnis entsprechend. Im ganzen nahmen diese Kreditvermittelungenneuerdings fast stets zu: ungedeckte Noten und Papiergeld hatten nach Juraschek diesechs größten Kulturstaaten 1850 1461, 1890 6751, 1893 5109 Mill. Mark; das