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Neuere Reformen im Sparkassenwesen: allgemeine Bedeutung.
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an vielen Orten möglich, ist auch das einzige Mittel für die Sparkassen, die Konkurrenzmit den Vorschußkassen auszuhalten. Natürlich muß die Sparkasse stets besondersvorsichtig und solid bleiben, sie dars ihren ersten Gesichtspunkt, die Sicherheit derSparanlagen, nicht aus den Augen verlieren. Sie muß eine öffentliche Anstalt bleiben,darf nicht aus Gewinn arbeiten; ihre Leiter bleiben Kommunalbeamte, können nichtbloße Kaufleute und Bankiers sein. Aber indem sie das lokale Bauwesen fördern, denlokalen Wucher bekämpfen, die Arbeiter und kleinen Leute nicht bloß zum Sparen,sondern auch zum rechten Kreditnehmen erziehen, erreichen sie doch erst den ganzenErfolg, den sie haben können.
Die Staatsaufsicht über sie und die staatlichen Normativbestimmungen für siemüssen damit etwas andere werden; das preußische Gesetz von 1838 ist längst veraltet,ein neues in Vorbereitung. Es muß etwas mehr Freiheit geben als bisher, aber dabei dochden Geschäften seste Bahnen vorschreiben, so gut wie die Gesetzgebung den Noten- undHypothekenbanken ihren Wirkungskreis eingeengt hat. Es wird mit Recht auch bestimmen,wie hoch der Gewinn der Sparkasse an den Einlagen sein darf (1896 war ^/s°/oeinschließlich der Verwaltungskosten vorgeschlagen; letztere waren 1900 in Preußen 0,18°/»der Einlagen, während die Zinsüberschüsse 0,86 °/o betrugen), welcher Teil der Über-schüsse sür kommunale und gemeinnützige Zwecke verwendet werden darf, wie dieZahlungsfähigkeit zu garantieren sei, wie weit der Reservefonds anwachsen soll u. s. w.
So werden die Sparkassen ein immer nützlicheres Glied unserer heutigen Kredit-organisation werden. Wenn sie heute in Deutschland 8 Milliarden Kapital angesammelthaben, und daneben 1900 die deutschen Kreditbanken über eigenes und fremdesKapital im Betrag von 6,9 Milliarden verfügten, die deutschen Hypothekenbanken6,5 Milliarden Pfandbriefe und Kommunalobligationen ausgegeben hatten, so sprechendiese Zahlen sür ihre Bedeutung. Gewiß hat man die Sparkassen früher oft überschätzt,der Socialismus hat sie dann unterschätzt, behauptet, sie dienten gar nicht dem Arbeiter.Die Sparkasse hat natürlich nicht alle Not beseitigt, die unteren Klassen nicht plötzlichanders gemacht. Aber sie ist doch ein wichtiges Hülfsmittel gewesen, um den Spar-sinn zu wecken und zu verbreiten und damit Tausende zu erziehen zu Voraussicht undSelbstbeherrschung; sie hat nicht die Lebenshaltung gehoben, aber das leichtsinnigeLeben in den Tag eingeschränkt; sie hat Tausenden Mut und Sicherheit gegeben imKampfe des Lebens, sie hat die moralischen Kräfte gesteigert, sie hat die Menschengelehrt, die Zukunft ins Auge zu fassen und über die ungewissen Wcchselfälle Herr zuwerden. Die Sparkasse war zugleich ein glückliches Mittel, die höheren Klassen, dieGemeinde und den Staat in dem Dienst für die unteren Klassen zu schulen, dasVereinsleben und die Selbstverwaltung zu beleben, Gemeinde und Staat an seinesocialen Pflichten zu gewöhnen und die Formen zu finden, in denen diese Pflichterfüllungmöglich ist. Die Sparkasse war ein Gedanke der höheren Klassen, aber sie ist zu einerLeiter für das Emporsteigen der unteren geworden. Der Arbeiter, der ein Sparkassen-buch mit einigen Hundert Mark besitzt, ist ein anderer Mensch, er ist kein Proletariermehr, er ist verknüpft mit der bestehenden Ordnung der Gesellschaft. Wenn heute inDeutschland 13 Mill. Sparkassenbücher vorhanden sind, so kann es in 50 Jahren diedoppelte und dreifache Zahl sein. Und wenn kein Arbeiter mehr existiert ohne einSparkassenguthaben, so werden alle Krisen, alle zeitweilige Befchäftigungslosigkeit ganzanders zu ertragen sein als heute. Die vollendetste Staats- und Wirtschaftsordnungkann nichts nützen, wenn nicht selbst die untersten Glieder der Gesellschaft gewisseintellektuelle und moralische sowie wirtschaftliche Eigenschaften haben, zu deren Aus-bildung uuter heutigen Verhältnissen die Sparkassen erheblich beitragen können.
201. Die Kreditanstalten der kleinenLeute und derArbeiter. DieKreditgenossenschaft, e) Die städtisch-gewerblichen Vorschußvereine.Während die Sparkassen vom passiven Kreditgeschäft für die unteren Klassen ausgingen,hat das Genossenschaftswesen, dessen Entstehung und allgemeine Bedeutung wir oben(§ 145) schilderten, in seinem wichtigsten Zweige das aktive Darlchnsgeschäft sür diekleinen Leute, hauptsächlich für die Kleinhändler, Handwerker und Bauern ins Auge