Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Die historische Lohnbewegung von 13001900.

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In einer Woche konnte mit solchem Lohn der Meister kaufen an KilogrammWeizen, Roggen und Gerste:

Das Sinken des deutschen Rcallohnes im 16. Jahrhundert ist auch aus zahl-reichen anderen Untersuchungen bekannt, weniger sein Steigen nach dem großen Kriegeinsolge des Menschenmangels. Doch blieb im ganzen die Lebenshaltung der unterenKlassen eine geringe, zumal da, wo gegen 1600 der Wochenverdienst des Tagelöhnersin Roggen auf 40 50 Kilogramm herabgegangen war, wie ich es für Sachsen be-rechnete. Für das 18. Jahrhundert sind 13 13 Groschen (^- 25 30 Kilogramm)im Osten, 30 im Westen als ländliche Löhne überliefert; die Verschiedenheit des Geld-lohnes ist keine solche des Reallohnes; in den Städten kommen 3048 Groschen vor,die letztgenannten höheren Sätze in aufblühenden Industrien, wo sie teilweise nochhöher gehen, bis auf 3, 4 und 5 Thaler in der Woche; 15 Groschen sind gleich25 Kilogramm, 4 Thaler 100 Kilogramm Roggen in der Woche.

In der ganzen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich die Löhne inDeutschland wenig geändert; sie betrugen auf dem Lande täglich 4050 Pfennigeim Osten, 70 100 Pfennige im Westen und in reichen Gegenden; in den not-leidenden Gewerben, Spinnerei, Weberei, teilweise noch weniger als vor 1800, inanderen aufblühenden schon 1,2, 1,8 Mark täglich, ja teilweise noch mehr, beiRoggenpreisen Pro Scheffel (oder 40 Kilogramm) zu 2,54 Mark. Bei ländlichenLöhnen von 3 Mark (50 Pfennigen täglich) verdiente der Arbeiter immer noch über40 Kilogramm, wenn der Scheffel 2,5 Mark kostete, nur noch etwas über 20, wenner 4 Mark und mehr stand; die gewerblichen Löhne von 1,8 Mark täglich, 10,8 Markwöchentlich, gaben bei entsprechenden Preisen 160 bezw. 108 Kilogramm. Als 18401860 die Lebensmittel rasch teurer wurden, die Löhne aber nicht allgemein ebensostiegen, vor allem 18451855, wurde die Lage für viele Arbeiter äußerst kümmerlich;selbst 10,8 Mark wöchentlich gaben bei den damaligen Preisen nur 50 60 Kilo-gramm, 3 Mark aber nur 810 Kilogramm; es waren die Zeiten, da derHungertyphus auf den deutschen Mittelgebirgen und in Oberschlesicn so wütete, daßman bei längerer Dauer ein Aussterben ganzer Gegenden befürchten mußte.

Immer waren das in Deutschland Ausnahmen; ich glaube, daß in Belgien undHolland die Löhne damals noch niedriger standen; in Frankreich hatten sie sich seitder Revolution wesentlich gebessert. In England war bis 1840 und 1850 die Lageder unteren Hälfte des Arbeiterstandes Wohl schlechter als irgendwo auf dem Kon-tinent, die Lage der oberen aber schon besser. Tooke giebt für 1804 den Baumwoll-fpinnerlohn zu 58 Kilogramm, 1814 zu 82,5 Kilogramm, 1823 zu 105 KilogrammMehl an. Die Handweber freilich waren zu gleicher Zeit von 16 auf 6 Schillingwöchentlich (bis 1831) gesunken.

Die englischen ländlichen Wochenlöhne schätzt Caird, eine große Autorität, imDurchschnitte so: 1770 7 Schilling, 1850 fast 10 Schilling, 1880 14 Schilling; aberes sind daneben in diesem Jahrhundert viele Naturalemolumcnte und Vorteile (wieWeide, billige Wohnung) weggefallen. Das Labour Department setzt den Durchschnitt1850 auf 9 Schilling, 1855 auf 11 Schilling, 1899 auf fast 14 Schilling, d. i.1855 1899 ein Plus von 22°/«; aber damals kostete der Ouarter Weizen 74 75Schilling, heute 25 26 Schilling; mit 11 Schilling kaufte man 1855 3536 Kilo-gramm, mit 14 Schilling 1899 117 Kilogramm. Der Durchschnitt von 14 Schillingfetzt sich freilich aus 12 Schilling im Süden, 20 Schilling im Norden zusammen.Und alle unparteiischen Berichterstatter bezeichnen 20 Schilling doch noch als nichtrecht auskömmlich; der ländliche Arbeiter müßte dazu, heißt es, einen kleinen Eigen-betrieb oder eine Alterspension bekommen.

1356-1399150

1450-1499100

15501S9948

1600-164966

1650-167978

188278