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Die Voraussetzungen der merkantilistischen Handelspolitik.
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Regierung (vergl. oben Z 39, 106 und 249) mit zunehmender Geld- und Kapital«wirtschaft, mit stehenden Heeren und staatlichen Flotten, vielfach mit Kolonien, mitexpansiven Tendenzen. Zufällige politische Schicksale, Bündnisse, fürstliche Ehe- undVerwandtschaftsverhältnisse, Krieg und Frieden, sowie Annexionen bewirkten äußerlichdiese Staatenbildung. Innerlich war es das steigende geistige Leben in Litteratur ,Kunst, Wissenschaft, Religion, das mit dem erleichterten geistigen Verkehr, mit dem sichbildenden Nationalgeist auch auf die politische Einheit der Nationalstaaten hindrängte;es war ebenso der wachsende Verkehr, der mit Ausbildung der Posten (1550—1700),dem verbesserten Schiffs-, Kanal- und Straßenbau die interlokale Arbeitsteilung förderte,die vordringende Geldwirtfchaft, die zunehmende Kapitalbildung, der beginnende Kapital-markt, die großen Mesfen, welche Tausende von wirtschaftlichen Maschen enger knüpfte.Der Handel bewegte jetzt neben den Gewürzen die neuen Kolonialwaren Kaffee undThee ; Indigo und Zucker, Gewebe, vor allem Getreide, Holz, Teer, Metalle wurdenseit 1600 in viel größeren Mengen aus größere Entfernungen verführt. Die Formendes Handels wurden andere: der Kaufmann brauchte seine Waren nicht mehr so wiefrüher persönlich zu begleiten; es entstand der Kommissionshandel, der Kauf nach Probenauf den Messen; es bildete sich der Geld- und Kredithandel in Zusammenhang mitden Staatsfinanzen, sowie die Anfänge des Spekulationshandels. Lauter große wirt-schaftliche Zufammenhänge entstanden so, welche die Produktion in Abhängigkeit vomAbsatz, von Grenzen, von Zöllen viel mehr als früher brachten, welche größere Märktenötig, die Befeitigung der bestehenden engen mittelalterlichen Schranken erwünschtmachten. DaS wirtschaftliche Bedürfnis nach größeren Staaten und nach freierem Verkehrin ihrem Inneren stieg außerordentlich; und noch mehr nötigte die Machtkonzentrationdie Völker, die sich behaupten wollten, dazu, sich politisch und wirtschaftlich zusammen-zufassen, sich auszudehnen, um Absatz draußen, um Machtsphären und Kolonien zukämpfen.
Der Welthandel war seit 1500—1700 ein wesentlich anderer geworden. SeineHauptlinie hatte früher von Indien über Ägypten nach Italien, Deutschland und denNiederlanden geführt, und in kleinen Stationen reichten sich auf dieser Linie die Städteund Kleinstaaten, die sich in ihn teilten, die Hand. Die Türkenherrfchaft in Vorder-asien und Ägypten hatte alle Straßen nach Indien in die Hand bekommen; dieEuropäer hatten bis ins 16. Jahrhundert nur im Mittelmeer und der Ostfee einenerheblichen Handel. Das große Zeitälter der Entdeckungen änderte das. Die Portu-giefen hatten den Seeweg nach Ostindien, in die Länder der Gewürze 1497 gefunden,die Spanier den nach Centralamerika . Die ersteren hatten rasch den arabisch-ägyptischenSeehandel gewaltsam vernichtet und Lissabon das Monopol des Gewürzhandels verschafft.Die Spanier hatten sich in den Besitz der großen amerikanischen Silberbergwerke gesetzt undgroße abhängige Reiche dort gegründet. Die anderen am Ozean liegenden Staaten undVölker suchten diesen Bahnen zu folgen, am neuen ozeanischen Handel, am neuenKolonialbesitz teilzunehmen. Der weit ausgedehnte direkte Handel einerseits nach Ost-indien und den Gewürzinseln (den Molukken), andererseits nach Westindien und Central-amerika, dessen Besitz Spanien so kaufkräftig durch seine Silberflotte machte, das großerMengen europäischer Manufaktc bedürfte, galten von 1550—1800 als die Hauptquellendes Reichtums. Ausgebeutete Kolonien mit Plantagen und abhängigen Bevölkerungenhatten die Punier und die Römer und im Mittelalter die großen italienischen Kommunenin Syrien, Kleinasien , auf den griechischen Inseln gehabt und daraus einen Hauptteilihres Reichtums gezogen. Jetzt handelte es sich um viel Größeres. Die europäischenVölker begannen weite Gebiete auf der ganzen Erde, vor allem in der heißen Zone, inBesitz zu nehmen; sie mußten hier die Herrschaft von Millionen Menschen niedrigerKultur, ja teilweife roher Barbaren übernehmen; das Problem war unendlich schwierig;gewaltsame und voreilige Christianisierung wurde versucht; teilweise begann ein brutalerVernichtungskampf gegeu die Wilden; die Erziehung der farbigen Menschen zur Arbeit,ihre Be- und Ausnutzung auf den Plantagen und Bergwerken war unsagbar schwer;die Formen harter Sklaverei und Hörigkeit stellten sich wieder ein. Aber wo es sich