Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Portugiesische und spanische Merkantilpolitik.

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Priestern und gedrückten Bauern, durch die Inquisition in die Barbarei des Mittel-alters zurückgeworfen. Die merkantilistischen Maßregeln wurden falsch und so über-trieben angewandt, daß sie das wirtschaftliche Leben töteten, statt es zu fördern. Dasgroße amerikanifche Reich wurde als ein Land betrachtet, wo man den Adel und dieKirche mit reichen, ja ungeheuren Gütern ausstatten, eine Anzahl hoher Beamten an-stellen könne, nicht als ein Kolonisations-, Absatz und Handelsgebiet; allen Fremdenstreng verschlossen, war es auch den Spaniern nur mit besonderer königlicher Erlaubniszugänglich. Die Abschließung der hörigen indianischen Bevölkerung gegen europäischeBerührung war im Princip nicht falsch, sondern segensreich, durfte aber nicht zur Er-starrung, sondern mußte nach und nach zur Erziehung, zur Emporhebung auf euro-päisches Kulturniveau führen. Spanische Waren dahin auszuführen, verbot man vielfachim 16. Jahrhundert, damit sie in Spanien nicht zu teuer würden. Der große Bedarfan europäischen Waren wurde seit Philipp II. zu "/io von Holland, Frankreich, Eng-land u. s. w. geliefert, die über Sevilla oder direkt im Schmuggelwege nach Westindien kamen. Die bald nötige Negereinfuhr nach Amerika , die ungeheure Gewinne gab, kamnach und nach ganz in fremde Hände. Aller Handel nach Amerika stand unter strengsterStaatsaufsicht, geschah auf der staatlichen Flotte, die jährlich das Silber zurückbrachte;im Hafen von Portobello wurden im Admiralsfchiff alle Preise festgesetzt; stets wußtenwenige große Häuser den Markt zu beherrschen, mit 100-300°/« Gewinn zu ver-kaufen. Die Resormen der veralteten Kolonial- und Handelsverfassung wurden erstspäter versucht, fcheiterten aber an der Starrheit des konservativen indischen Rates inMadrid . Im Lause des 17. und 18. Jahrhundert drangen die Engländer, Holländer,Franzosen immer mehr in Westindien vor; Spanien begnügte sich mit dem Schein derHerrschaft, verbrauchte seine indischen Silbereinkünfte in nutzlosen europäischen Kriegen,die doch den Rückgang seiner Macht seit dem 17. Jährhundert nicht hinderten. Aufden ganzen großen merkantilistischen Auffchwung Mittel- und Nordeuropas hat Spanien keinen erheblichen Einfluß ausgeübt. Portugal und Spanien waren die zwei Staaten,die durch Übertreibung der Monopole, durch falfche Anwendung des Kolonialsystemsund Merkantilismus früh ihren kurzen wirtschaftlichen Aufschwung rückgängig machten.

e) Die Vereinigten Niederlande entstanden als selbständiger Staatenbund15791648 durch den 70 jährigen Kampf um ihren protestantischen Glauben und ihreUnabhängigkeit von Spanien. Die zwei wichtigsten der Landschaften waren Holland mit Amsterdam und Seeland. Die glückliche Lage an der Rheinmündung, die Traditionenaus der Römerzeit , die Teilnahme am Hansabund, später am Schicksal und der BlüteBurgunds hatten die bedachtsam schlichten, fleißigen und rechnenden Holländer zu aus-gezeichneten Schiffern, Fifchern, Kaufleuten und Gewerbetreibenden ebenso wie zu klugenPolitikern gemacht. Von der Hansa bekämpft, waren sie von 14251600 schon mehrund mehr Herren der Ostsee und die begünstigten Fremden an den nordischen Höfengeworden. Während sie noch überwiegend in den Institutionen der Stadtwirtschaftund der kleinen Landfchaft befangen waren, hatte ihnen der lange Kampf mit Spanien doch eine gewisse staatliche Einheit, vor allem für die maritimen Zwecke gegeben. Wieeinst Antwerpen das Erbe Brügges, so hatte Amsterdam nach der zweimaligen katholischenUnterwerfung Antwerpens 1576 und 1585 das Erbe diefes Welthandelsplatzes angetreten;die Stadt wurde von 15851750 das Centrum des Welt- und Kolonial-, des Kredit-und Geldhandels. So lange der Krieg gegen Spanien dauerte und das oranische Hausunitarisch die Kräfte zufammenhielt, befeclte Patriotismus, Glaubenseifer, eine schlichteheroische Größe diese stadtrepublikanischen Fischer und Kausleute. Der lange Krieg wareine seltene Schule der Schiffahrt, des Seeraubs, ein gutes Mittel, die Gegner überallzu vertreiben und niederzuwerfen. Als man in dem spanisch gewordenen Lissabon dieHolländer sich nicht mehr mit Gewürzen versorgen ließ, fuhren sie hauptsächlich von1595 an selbst nach Ostindien und den Molukkey, vernichteten dort die portugiesischeHerrschaft, gründeten die ostindische Compagnie (1602), die einige Menschenalter denGewürzhandel nach Europa , sowie einen erheblichen Teil des asiatischen Zwischenhandelsmonopolisierte. Die asiatischen Fürsten mußten versprechen, nur an die Compagnie zu