Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
Seite
589
Einzelbild herunterladen
 

1047j

Tic englische Handelspolitik 1K00-I81S,

589

einigten Staaten durchzusetzen und England im Frieden von Versailles 1783 fast zudemütigen. Erst die Revolution und der falsche Doppelplan Napoleons , zu gleicherZeit halb Europa zu erobern und in jeder Beziehung, auch handelspolitisch, zu miß-handeln und zugleich England seine Welthandelsherrschaft nehmen zu wollen, entschied diedefinitive handelspolitische Vormachtstellung Albions und den dauernden AusschlußFrankreichs von dem Anspruch hierauf.

260. Der Merkantilismus; die Handelspolitik Englands von16001815. Englands Handelspolitik bis zum Tode der Elisabeth haben wir kennengelernt. Die Tudors hatten in dem überwiegend agrarischen Lande die Schiffahrtenergisch zu heben gesucht; sie hatten alle Fremden ausgewiesen oder unter ein hartesbeschränkendes Fremdenrecht gestellt; sie hatten die nationale Industrie die Woll-industrie möglichst zu heben, den Export der Wollwaren durch die Begünstigungder geschlossenen Korporation der Nsrokant Äävsnwrsrs zu fördern gesucht. Die Ver-einigung der nach Ostindien fahrenden Reedergesellschaften zu einer großen Compagniewar eben vollzogen (1600); die ersten Niederlassungen von Dissenters und Puritanern inNordamerika sallen in die Zeit von 1620 an. Noch war das Land arm gegen Holland .Und die rasch aufstrebende holländische, bald auch französifche Wollwareninduftrie, be-sonders die der Kammgarngewebe, in denen England zurück war, brachte schwere Kon-kurrenz und Absatzstockung für das Gewerbe, das unter Jakob I. o/io aller brittifchenAusfuhr stellte. Aber der geistig-moralische und der nationale Schwung, den das Landunter Elisabeth, zumal seit dem glänzenden Siege über die spanische Armada (1588) er-halten, war ein großer. England war jetzt erst voll ein protestantischer Staat geworden,seine Staatskirche wurde eine nationale Institution, der Kampf gegen Spanien und diekatholischen Mächte konnte nur zur See, mit einer nationalen Flotte geführt werden;sie zu fördern, eine große Seemacht zu werden, wurde im 17. und 18. Jahrhundertaus einem Regierungsprincip der Herzenswunsch aller Klassen. So erklärt sich diekühn und rücksichtslos mit Navigationsakten, Seekriegen, Schutzzöllen, Prämien allerArt fortschreitende, alle Gegner und Konkurrenten niederschlagende englische Handelspolitikder Merkantilepoche.

Staatsgesetze und staatliche Unterstützung zu Gunsten der einheimischen Schiffahrthaben die Italiener, Spanier und Hansen, die Engländer selbst von 13811650 schonvielsach gehabt; wir zählen etliche 15 englische Navigationsakte vor der CromwellsVon 1651. Die Bedeutung dieser besteht nun darin, daß sie mit der ganzen Brutalitätund Kühnheit des revolutionären Diktators die wichtigsten möglichen Maßnahmen zurBeförderung der Schiffahrt zusammenfaßte und sie in Zusammenhang mit der glänzendenkolonialen, auswärtigen und kriegerischen Politik Cromwells und seiner Nachsolger brachteund ausführte. Ihre wesentlichen Bestimmungen (einschließlich ihrer Ergänzungen imLaufe des folgenden Jahrhunderts und der kolonialpolitischen Maßnahmen) sind in derHauptsache solgende: 1. nach England dürfen aus den europäischen Staaten eineAnzahl der wichtigsten Waren nur in englischen Schiffen oder in solchen des Ursprungs-landes, und im letztern Fall mit doppeltem Zoll eingeführt werden, gewisse schwereWaren dürfen nur aus dem Ursprungsland nach England kommen (damit wurde derholländische Zwischenhandel sehr eingeschränkt); 2. aller Küstenhandel ist den englischenSchiffen vorbehalten, alle nicht von brittischen Schiffen gesangenen und eingeführtenFische zahlen doppelte Steuer; 3. nach den brittischen Kolonien dürsen nur englischeSchiffe (mit 2/4 englischer Besatzung), in denselben nur Engländer, nicht holländischeFaktoren Handel treiben; die dort eingeführten Waren müssen direkt aus England kommen; die Kolonialwaren (snumsrawä artiolss) müssen von den Kolonien direkt nachEngland oder andern englischen Kolonien gebracht werden; 4. gewisse englische Kolonial-waren werden in England begünstigt, der Tabaksbau in England verboten, für ausEngland wieder ausgeführte Produkte der Kolonien wurden Rückzölle gewährt; 5. gewissekonkurrierende Industrien (Eisenhämmer, Zuckerraffinerien, Wallfischfang) werden in denKolonien nach und nach verboten oder durch Zölle bei der Einfuhr nach England er-