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neue Bahnen zu eröffnen; von der grössten Wichtigkeit aber war, dasser das Monopol der westindischen-guineischen Gesellschaft beseitigte,indem er das dieser Gesellschaft verliehene Privileg nebst allen ihrenBesitzungen 1754 für den Staat zurückkaufte. Der Handel und dieIndustrie der westindischen Besitzungen, die schwer unter dem Monopolgelitten hatten, wurden nun für alle Staatsangehörigen frei gegeben undnahmen sehr schnell einen grossen Aufschwung. Statt der 2 Schiffe,welche für die Compagnie allen Handel besorgt hatten, fuhren durch-schnittlich 50 Schiffe, um die schnell steigende Produktion der InselnEuropa zuzuführen. Der westindische Zucker und Rum wurden imganzen Ostsee -Gebiet dominirend.
Noch eine Reihe anderer Institutionen wurden entweder aufBernstorfs Anregung und nach seinem Entwürfe, oder wenigstens unterseiner Mitwirkung in das Leben gerufen und seiner Obhut unterstellt.Dahin gehört das grosse Friedrichshospital in Kopenhagen (1757), langeZeit ein Muster für derartige Krankenanstalten, das Erziehungshaus,1753 ganz nach Bernstorf's Plane gestiftet, das allgemeine Armenhausin Kopenhagen , welches Bernstorf 1769 errichtete, nachdem ihm 1762die Aufsicht über das gesammte Armenwesen in Dänemark übertragenwar. Und für die meisten dieser mildthätigen Anstalten machte BernstorfAufwendungen aus eigenen Mitteln, wie er denn überhaupt im Staats-dienst fortwährend beträchtliche Summen für öffentliche Zwecke ausseinem allerdings bedeutenden Privateinkommen beisteuerte.
Kunst und Wissenschaft hatten an ihm einen eifrigen Freund undFörderer. Die Akademie der Künste zu Kopenhagen wurdevorzugsweise durch ihn in das Leben gerufen, berühmte Künstler ausdem Auslande als Lehrer herangezogen. Im Jahre 1760 begründeteBernstorf die Gesellschaft der dänischen Sprache und schönenWissenschaften, welche alsbald grossen Einfluss auf die Ausbildungder lange vernachlässigten dänischen Sprache und Litteratur ausübte.Nach dem Vorbilde einer in London gebildeten freien ökonomischenGesellschaft rief er die dänische Landhaushaltungsgesellschaftin das Leben. Oeder wurde von ihm nach Kopenhagen berufen, umeine Professur der Botanik zu übernehmen, einen botanischen Gartenzu gründen und die Flora danica herauszugeben. Eine Reihe andererdeutscher Gelehrter, wie die Historiker Schlegel, Cramer, Basedow,Schumacher, Ehlers, Sturz wurden von ihm nach Dänemark gezogen, auch Geliert wollte er gewinnen, zunächst zur Mitwirkungbei der Erziehung des Kronprinzen, allein Geliert konnte sich nicht