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entschliessen sein Vaterland zu verlassen. Sehr häufig trug Bernstorfaus eigenen Mitteln dazu bei, diese Männer zu gewinnen. Sehr innigwar sein Verhältniss zu Klopstock . Kaum waren die ersten Gesängeder Messiade erschienen, als Bernstorf , die Bedeutung des jungenDichters erkennend, denselben nach Dänemark rief (1750) und ihm einegesicherte Stellung verschaffte, die ihm die Müsse liess, sein Gedicht zuvollenden. Klopstock lebte nach dem Tode seiner Gattin viele Jahrein Bernstorfs Hause.
Die grosse zu wissenschaftlichen Zwecken von einer GesellschaftGelehrter auf Staatskosten unternommene Reise nach Arabien, vonwelcher freilich Niebuhr allein zurückkehrte, war durch Bernstorf veranlasst und zu Stande gebracht.
So erwarb Bernstorf auf allen Gebieten des Staatslebens sich grosseVerdienste, die auch im Allgemeinen freudige Anerkennung fanden.Gleichwohl entspannen sich bald nach der Thronbesteigung Christian VII .Intriguen, die auf seinen Sturz hinarbeiteten. Nationale Eifersucht scheintdabei eine Rolle gespielt zu haben. Bernstorf war als Fremder in dasLand gekommen und hatte eine Anzahl Fremde, insbesondere Deutscheherbeigerufen, weil er es für nöthig fand hervorragende Männer derKunst, der Wissenschaft, der Technik als Lehrer und Vorbilder fürDänemark zu gewinnen. Dabei hatte er aber den Eingeborenen beigleichem Werthe stets den Vorzug gegeben, war namentlich so vor-sichtig gewesen, im auswärtigen Dienste, wenn es irgend anging,nur Landeskinder zu verwenden.
Der junge König, ein schwacher Charakter, war von Anfang anfast ein Spielball in den Händen seiner Günstlinge. Der unendlicharbeitsame, etwas abgeschlossene, nur mit ernsten Dingen beschäftigteBernstorf wird dem in Sorglosigkeit und jugendlichem Uebermuth dahin-lebenden Könige, wie der lebenslustigen Königin nicht sehr sympathischgewesen sein und so gelang es bald den König gegen ihn einzunehmen.Nun wurde dem Könige eine förmliche Anklageschrift gegen Bernstorfzugestellt, in welcher dieser namentlich der Verschwendung von Staats-geldern, der Vernachlässigung der Armee, der Nichtachtung vomKönige erlassener Gesetze u. s. w. beschuldigt wurde. Der König wargerecht genug diese Anklageschrift Bernstorf am 18. September 1766zu übergeben. Dieser überreichte dem Könige schon am 22. Septembereine ausführliche Rechtfertigung, in welcher er die gegen ihn erhobenenAnschuldigungen Punkt für Punkt gründlich widerlegte. Insbesonderethat er zum Schluss noch dar, wie er im dänischen Staatsdienste durch-