„Ausdruck“ der Tatsache findet, dass in der Handelswelt Erfolg undBankerott nicht von der Tüchtigkeit des Einzelnen abhänge, sondern vonVerhältnissen, die der Mensch nicht zu beherrschen vermöge 62 . Aberfür die politische Geschichte brachte die möglichst weitgehende Berück-sichtigung wirtschaftlicher Kausalien gewiss einen Fortschritt, der für dieKunstgeschichte noch aussteht: gerade die Fäden künstlerischen undwirtschaftlichen Geschehens erscheinen vielfach eng zusammengeflochten.Bei Taine finden sich in dieser Richtung wenigstens Ansätze 63 .
Eine grundsätzliche Beseitigung des historischen Materialismus istnur durch grundsätzliche Erwägungen möglich. Auch hier sind zunächstzwei wertvolle Bestandteile auszusondern, welche echt kantisches Geprägeaufweisen.
a) Die ganze Welt der Erscheinung gehorcht, soweit wir sie alserkennende Menschen bearbeiten, der Kategorie der Kausalität — Naturwie Geschichte. Auch die menschlichen Handlungen unterliegen, sobaldsie in die Erscheinung treten, dem ehernen Gesetz von Ursache undWirkung, das in die Welt der inneren Motive zurückführt. Die „innereVerkettung der Vorstellungen“, die man „Freiheit“ nenne, sagt Kant, seinichts anderes als die „Freiheit der Uhr, die einmal aufgezogen, ihreBewegungen von selbst verrichtet“ 64 . In der Wissenschaft gibt es keineWunder. Mit Recht verteidigt Kautsky die Geltung der Kausalität füralle Tatsachen unserer Erfahrung gegen Bernstein, der das eherne Mussder Geschichte durch ethische Faktoren einschränken (?) möchte 65 . Die„sittliche Freiheit“, die wir als handelnde Menschen fordern, hat mit psycho-logischer Ursachlosigkeit nichts zu tun, vielmehr liegen — wie Max Weber ausführt — gerade sittliche Handlungen vielfach in ihrer psychologischenVerursachung besonders offen zu Tage, während Unberechenbarkeit(nicht Ursachlosigkeit) die Handlungen des Verrückten auszeichnet 66 .
Die Teleologie, welche nicht nur der Geschichtswissenschaft, sondernteilweise auch der Naturwissenschaft zur Bildung ihrer Begriffe dient(z. B. der Biologie zur Abgrenzung der Lebenserscheinungen), ist lediglich