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den Begriff eines göttlichen Schöpfergeistes (intellectus archetypus), der,indem er die Dinge denkt, sie zugleich schafft, für den das Besondere alsorational wäre 73 ; aber gerade diese Art der Erkenntnis ist dem Menschenausser in der Mathematik versagt.
Insbesondere ist der Kausalzusammenhang des einzelnen konkretenVorganges schlechthin irrational. Nach allen Seiten hin verzweigen sichvon jedem einzelnen Geschehnis aus die Kausalstränge in die Tiefe derZeit, in die Breite des Raums — nirgends einen Halt erlaubend, dernicht rein willkürlich wäre. Auf Grund der Wechselwirkung, in welcheralle Substanzen stehen, die zugleich im Raume wahrgenommen werden,umfassen die Kausalien irgendeines Einzelvorganges in letzter Linie denganzen vorhergegangenen Weltzustand 74 . Gerade darin besteht dermethodologische Vorzug der älteren französischen Materialisten, dass siean die gesellschaftlichen Erscheinungen den Maßstab der „Mechanik“anlegten, den Engels ihnen vorwirft 76 . Nur so konnten sie von ihremStandpunkt aus die Irrationalität des Einzelnen überwinden. Das Einzelnewar ihnen den Gesetzen gegenüber gleichgültig; da die Gesetze desNaturgeschehens ewig die gleichen sind, so war ihnen die Welt ein „ewigerKreislauf“. In diesem Gedankenkreise ist die Idee des „Fortschritts“ einFremdgewächs. Sie verfälscht die Naturwissenschaft.
Insofern stehen Ricardo und K. Menger methodologisch höher alsMarx, da sie niemals das historische Konkretum aus ihren Gesetzen ab-geleitet, vor allem niemals Geschichte der Zukunft geweissagt haben.
c) Wie kommt man über diesen Standpunkt hinaus zur Geschichts-wissenschaft, die der historische Materialismus doch sein will? Nur dann,wenn es gelingt, aus der unendlichen Fülle der Erscheinungen gewisseEinzeltatsachen als „wesentlich“ herauszuheben. So handelt zunächst derpraktische Mensch, der diejenigen Dinge wertet, die den Bauch füllen.Aber diese praktischen Werte sind individuell. Mein Bauch ist nicht der Bauchder Vielen, vielleicht Allzuvielen. Daher sind diese höchst subjektiven Werteungeeignet, einer Wissenschaft als allgemeinverbindliches Auswahlprinzip