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Auch Rosen und Myrten, Schönheit und LustUnd Zuckererbsen nicht minder,
Ja, Zuckererbsen für Jedermann,
Sobald die Schoten platzen!“
„Der Sozialist will,“ wie uns Sombart sagt, „das Leben in vollen Zügenauskosten.“
Voran steht die „Messer- und Gabelfrage“. Ist diese erste Fragegelöst, so liegt der Wert des Lebens für den Wissenden, dem „Ideologie“in ihrer durchschauten Nichtigkeit keinen Spass macht, doch wohl in derMenge eingeheimsten Geschlechtsgenusses. Dieses Interesse steht invielen Fällen hinter der Forderung der „freien Liebe“, deren „Folgen“durch Präventivmittel abgewehrt oder durch öffentliche Kinderaufzuchtder Gesellschaft überwälzt werden sollen. So rücken Engels und Bebelden Geschlechtstrieb in den Mittelpunkt des menschlichen Lebens undverweilen bei seiner Unbezähmbarkeit 86 , wie schon die älteren Materialistendas „Hohelied des Frauenkörpers“ angestimmt haben. In diesemPunkte berührt sich der marxistische Sozialismus mit dem Geschlechts-„Titanismus“ moderner — oft impotenter — Dekadenz! Denn nicht allenbekommt das Studium dieses „Hohen Liedes“, wie schon Heine geklagt hat:,Ja, Tag und Nacht studier’ ich dran,
Will keine Zeit verlieren;
Die Beine werden mir so dünn —
Das kommt vom vielen Studieren.“
Es ist nicht zufällig, wenn die eudämonistische Ethik im Bunde mitder materialistischen Weltanschauung auftritt. Denn für die gewöhnlicheAnschauung erscheint, wie Simmel ausführt, das selbstische Interesse alsdas einfache und natürliche; die Motive der Selbstlosigkeit erscheinen alsnachträgliche und gleichsam künstlich angepflanzte 87 . Im Anschluss anHobbes , Mandeville, Helvetius betrachtet auch Marx den Menschen aus-schliesslich als egoistisches Wesen. „Wohltätigkeit — Befriedigung derSelbstliebe.“ Marx teilt den Standpunkt der klassischen National-