allem auch bei Maximilian selbst. Er fürchtete stets eine Schmä-lerung seiner kaiserlichen Macht und war mit seiner auswärtigenPolitik, seinen Feldzügen nach Italien viel zu sehr beschäftigt,um sich für energische Einigung einsetzen zu können: ihm lages mehr daran, die Mittel für einen Krieg zu erhalten, und ersah in den Reformen des Kurfürsten Berthold von Mainz nur eineantikaiserliche Tendenz; denn seine eigenen Reformvorschlägewaren schwach und stießen auf Widerstand. »Da nun die höchsteGewalt sich so wenig geltend machte, so wenig Billigung undAnerkennung erwerben konnte, so erwachte ein allgemeines Strebennach Selbständigkeit auf eigene Hand, eine allgemeine Gewalt-samkeit ... In den Fürstentümern machte sich die Landeshoheitweitere Bahn,« sagt Ranke*). So starb Maximilian, und damitsanken alle Pläne eines einigen Deutschen Reiches ins Grab. Dennimmer mehr kamen die Fürsten auseinander und vergaßen, daßsie Deutsche waren. Daher konnte es so weit kommen, daß Franz I. von Frankreich sich ernstlich um die deutsche Kaiserkrone be-warb. Erst nach langen Verhandlungen gelang es MaximiliansEnkel Karl, zum Deutschen Kaiser gewählt zu werden. Aber dieKurfürsten hatten sich ihre Rechte gesichert; es bestach sie derGedanke, einen Kaiser zu wählen, von dem sie wußten, daß erals Beherrscher eines Weltreiches lange Zeit von Deutschland fernweilte, da sie so ihre Unabhängigkeit immer mehr befestigenkonnten. Ferdinand, Karls Bruder, der später sein Nachfolger alsdeutscher Kaiser wurde, hatte nur die österreichischen Erblandein Besitz, und war so nicht mächtiger als die Kurfürsten, ermußte versuchen, das Gleichgewicht unter ihnen zu halten. Jemehr aber die Kaisermacht sinkt, desto mehr erstarktdie der Fürsten . Ihnen gelingt es, wenn auch oft nach hartenKämpfen, Herren im eigenen Lande zu werden, vor allem denAdel zu besiegen, was in Brandenburg erst Joachim I. nach langemZwist mit blutiger Strenge vollführt.
b. Während nun das Reich innerlich immer mehr zerfiel, sankauch seine handelspolitische Bedeutung. Das Welthandelsbildhatte sich zuungunsten Deutschlands verschoben. Wir haben obengesehen, welche Veränderungen die Entdeckungen der neuen Welt-teile mit sich brachten; als die Umwälzungen stattfanden, da wärees noch Zeit für das Reich gewesen, an ihnen teilzunehmen, aberdie Macht und Einigkeit fehlten dazu. Bisher hatte die Hansaim Norden und Westen Europas ein Handelsmonopol gehabt, dieSkandinavischen Reiche, Rußland, England und die Niederlande