denken und sehen« 18 ). In dem tiefen ethischen Gehalt der Refor-mation wurzelte das Geheimnis ihrer Kraft. Wie ein strengerSittenrichter mahnte Luther in Wort und Schrift die Fürsten anihre hohen Aufgaben. Erst mit der Reformation entstand einebisher unbekannte Auffassung von der Pflicht, der Beruf wurdeeine göttliche Berufung. Der Berufsbegriff, in dem »eine vonGott gestellte Aufgabe mitklingt«, stammt erst von Luther, einenähnlichen Ausdruck kannten weder die antiken noch die lateinischkatholischen Völker, während ihn alle protestantischen besitzen.Was aber wichtiger ist als das Wort: »auch der Gedanke ist neuund ein Produkt der Reformation«. Wohl kannte man vorherschon eine Achtung der weltlichen Arbeit, »aber unbedingt neuwar jedenfalls zunächst eins: die Schätzung der Pflichterfüllunginnerhalb der weltlichen Berufe als des höchsten Inhalts, den diesittliche Selbstbetätigung überhaupt annehmen könne« 16 ). (MaxWeber .) Daneben aber stärkten diese Anschauungen unzweifel-haft die Macht der Landesherren, sagt doch Luther selbst, »dassseit der Apostel Zeit das weltliche Schwert und Obrigkeit nie soklärlich beschrieben und herrlich gepriesen sei« 17 ) als durch ihn.So sehen wir denn im 16. Jahrhundert eine große Reihe bedeu-tender Fürsten, die ihre landesherrlichen Aufgaben ernst nehmenund wirklich Väter ihrer Untertanen waren; zu ihnen gehörtevor allem Kurfürst August von Sachsen, den man wohl den erstendeutschen merkantilistischen Fürsten nennen kann, ferner die Erne-stiner, auch Joachim von Brandenburg, Christof von Württemberg,Albrecht von Bayern und Julius von Braunschweig, aber nichtminder die Kaiser Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf. Eswaren protestantische und katholische Fürsten, die nun begannen,getreu den Ideen der Zeit, ihre Länder umzugestalten. Sie warenerfüllt von ihrem Gottesgnadentum, aber sie wußten, daß ihr Wohlmit dem ihrer Untertanen unauflöslich verbunden sei, wie es alleSchriften der Zeit betonten. Deshalb griffen sie selbst ein, umihr Land zu heben.
Man hat diese Zeit — wie Roscher auch — häufig diePeriode des Regalismus genannt, weil die Fürsten , da dieDomänenwirtschaft nicht mehr ausreichte, ihre Regalien zu be-festigen und so neue Einnahmen zu gewinnen suchten. Es gehtaber nicht an, eine Zeitepoche nach einer nur nebensächlichen Er-scheinung zu benennen. Die großen Staatsaufgaben, die jetzt andie Fürsten herantraten, erforderten allerdings viel Geld, deshalbtrafen sie »regalistische« Maßnahmen, noch dazu bei der innigen