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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Rühmliches zu melden ist. Mit Joachim I. erreicht die aufwärtsgehende Bewegung ihren Höhepunkt«, sagt Schmoller 34 ). Wirwiesen schon darauf hin, daß es ihm gelingt, die Macht des Adelszu brechen. Doch erst seine Söhne vermögen es, die Verwaltungzu reformieren. »An die Spitze des gesamten Domänenwesenstrat auch in Brandenburg eine kollegialische, von der übrigenRegierung geschiedene Amtskammer, zuerst in Küstrin unter derVerwaltung des Markgrafen Hans, später auch in Berlin « 55 ).

Wie in Österreich, Bayern, Sachsen und Brandenburg wirdes auch in den anderen Territorien zur Gewohnheit, aus demeinen Rat mehrere Kommissionen auszubilden. Es bestehen seit-dem Kollegialbehörden, meist sind es die eigentlichen Hof-räte, die Justiz-, die Finanz- und bisweilen auch die Kirchen-kammern. So war »dadurch eine bessere Verwendung derSpezialkräfte, eine andere fachgemäße Einarbeitung in die Ge-schäfte, eine sichere Kontinuität und Tradition garantiert« 36 ). Wasallmählich in den größeren Staaten erreicht worden war, bringtder dreißigjährige Krieg wieder zum Stillstand. Erst nach ihmwird mit den Reformen überall begonnen, vor allem sind es diekleinen Territorien, die jetzt den großen folgen, und die großen,z. B. Brandenburg, schaffen sich am energischsten die Zentralisation,um die Landzipfel, die ihnen zugefallen waren, zusammenzuhalten,um »die Personal- in eine Realunion umzuwandeln« 37 ). Wir sehenalso, wie überall in den deutschen Landen eine Verwaltung ge-schaffen wird, die dem staatlichen Egoismus, dem Merkanti-lismus dienen soll, der Beginn liegt im 16., ihre Stärke erst im17. Jahrhundert. Daher sagt Below treffend: »Die Neuorgani-sation der Verwaltung in den deutschen Territorien des 16. Jahr-hunderts war dürch die staatliche Entwicklung der Terri-torien gefordert und hat Großes geleistet« 38 ).