setzt oder Kriegsgebiet. Der Wiederaufbau des Zerstörten wird viele Mil-liarden kosten und die Materialien dazu ebenso wie die Maschinen muß dasAusland liefern. Die Einziehung zum Heere umfaßt mehr Altersklassenals in Deutschland ; es bleiben nicht genug Menschen übrig, um denHeeresbedarf herzustellen, geschweige für die Ausfuhr zu arbeiten. ImGegenteil, Lebensmittel, Waffen, Munition und sonstiger Heeresbedarfmüssen in gewaltigen Mengen eingeführt werden. In den ersten 9 Monaten1915 war die Handelsbilanz um 2 3 k Milliarden Frs. schlechter als gleich-zeitig 1914, während die Verschlechterung beispielsweise in Österreich-Ungarn noch keine 200 Millionen Kronen ausmachte. Bei der Bank vonFrankreich betrug schon am 27. November 1915 bei einem Metallbestandvon nicht ganz 5200 Millionen Frs. der Notenumlauf 14278 Millionen Frs.,der Vorschuß an den Staat 7600 Millionen Frs., der an Verbündete575 Millionen Frs. Trotz der unbehinderten Ausfuhr nach den ver-bündeten und neutralen Staaten, trotz der Möglichkeit, sich durch Verkaufvon Effekten Guthaben im neutralen Ausland zu schaffen, trotz dergemeinsam mit England in Amerika aufgenommenen Anleihe von500 Millionen Dollars blieb die französische Valuta mit über 13°/ounter New-Yorker Parität. Die große 5 °/oige Siegesanleihe konntenur mit 88 gegen 99 in Deutschland ausgegeben werden und sie istalles eher als ein Erfolg; im Inland mußte man die älteren Renten mitin Zahlung nehmen, im Ausland stellt sich ihre Verzinsung auf über6 V 2 °/o; und nur 3876 Mill. M hat sie an Barzeichnungen erbracht.Dazu kommen die enormen Verluste, die Frankreich an seinen Auslands-effekten erleidet. Allein an russischen wurde sein Besitz vor dem Kriegeauf 21 Milliarden Frs. bewertet. Nach dem unvermeidlichen russischenStaatsbankerott - und es handelt sich ganz überwiegend um Staats-papiere — werden sie kaum mehr als die Hälfte wert sein. Undbei dem allgemein gestiegenen Zinsfuß werden auch die anderen Renten-papiere eine sehr erhebliche Werteinbuße erfahren haben; Frankreich hat aber seine Ersparnisse mit Vorliebe in exotischen Anleihen angelegt,die es jetzt zu versilbern nicht in der Lage ist, da sie außer dem Pariser keinen anderen Markt haben.
Neben der Verzinsung und Tilgung seiner Anleihen — und derKrieg kostet ihm monatlich mindestens 2200 Millionen Frs. — wirdFrankreich viele Milliarden jährlich an Renten für die Hinterbliebenender Gefallenen und für Kriegsinvaliden aufwenden müssen. DieseSumme wird wesentlich größer als die von Deutschland aufzubringendesein, da in letzterem die bessere ärztliche Versorgung eine erheblichgrößere Zahl der Geheilten aufweist.
Ob Frankreich mit seiner so furchtbar verminderten Zahl vonErwerbstätigen nach dem Kriege noch in der Lage sein wird, seinenfinanziellen Anforderungen zu entsprechen, mag dahingestellt bleiben.Sollte ihm diese unsagbar schwere Aufgabe wider Erwarten gelingen,