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günstiger als die seiner Feinde, da die Mengen, die es vom Auslandbezieht, verhältnismäßig gering sind. Von Anfang März bis AnfangNovember 1915 ging gegenüber dem Dollarkurs der Markkurs nurum 2,14 °/o zurück, dagegen der Sterlingkurs um 6,24%, der Franken-kurs um 13,95%, der Lirekurs um 10,5% und der Rubelkurs um18,70%. Wenn inzwischen die deutsche Valuta vorübergehend aufauswärtigen Märkten eine weitere Entwertung erfahren hatte, so dürftedie in die Wege geleitete Organisation des Devisenhandels bald Ab-hilfe schaffen Wir haben daher mit keiner weiteren erheblichenEntwertung zu rechnen, wohl aber unsere Feinde mit einer rechtstarken.
Stellt sich damit unsere finanzielle Kriegslage im Verhältnis zuder unserer Feinde immerhin günstig, so dürfen wir doch keines-wegs verkennen, welche enormen Lasten uns der Krieg bringt. Unddie Frage, wie sie nach Friedensschluß zu tragen und abzubürden sind,ist auch für uns eine unsagbar schwer zu beantwortende.
Geht der Krieg im Mai oder Juni zu Ende, wozu leider noch wenigAussicht ist, so haben wir im Frieden 5 % von 40 Milliarden, d. s. 2 Mil-liarden, an Zinsen und % % an Tilgung, d. s. 200 Millionen Mark, auf-zubringen, wobei die ersparten Zinsen jährlich der TilgungsquoteZuwachsen müßten. Zu diesen 2,2 Milliarden werden aber noch an-nähernd weitere 3 Milliarden Mark für Renten an Flinterbliebene vonGefallenen oder an Wunden und Krankheiten gestorbenen Krieger,sowie an Invaliden und Kriegsbeschädigte, ferner an Entschädigungenfür im Krieg zerstörtes oder in Verlust geratenes Eigentum, Wieder-herstellungen usw. hinzutreten. Insgesamt würden also im Reich5,2 Milliarden Mark oder rund 80 M pro Kopf der Bevölkerung mehraufgebracht werden müssen, als vor dem Kriege — immer vorausgesetzt,daß dieser im Mai sein Ende erreicht. Dabei ist allerdings eine Kriegs-entschädigung nicht vorgesehen. Angenommen, es gelänge uns durcheine solche 1 Milliarde jährlich an Zinsen und Tilgung zu sparen, so würdesich die aufzubringende Jahressumme auf 4,2 Milliarden oder rund 65 Mpro Kopf verringern. Ob bei der furchtbaren finanziellen Erschöpfungunserer Feinde sich eine Kriegsentschädigung von 18 Milliarden M erreichenläßt, mag dahingestellt bleiben. Auf alle Fälle werden wir miteiner ungeheuren Steuererhöhung zu rechnen haben. Um so mehr,als auch die Einzelstaaten und vor allem die Gemeinden, die heute ingewaltigem Umfang schwebende Schulden aufnehmen müssen, zu einersolchen schreiten müssen. Im günstigsten Fall werden wir im Reichs-etat das Dreifache dessen aufbringen müssen, wie vorher im Frieden.Und diese vermehrte Last muß von einer wesentlich verminderten ZahlErwerbstätiger getragen werden, denn durch Tod und vollständigeErwerbsuntauglichkeit scheiden viele Hunderttausende ganz aus, weitereHunderttausende sind durch Kriegsbeschädigung und Schwächung ihrer