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Gesundheit in ihrer Erwerbsfähigkeit beschränkt. Die ersten Jahrzehntenach dem Krieg werden daher für Deutschland trotz aller kriegerischenErfolge ungemein schwere und ernste sein. Es ist ein trauriger Trost,daß sie für die anderen Kriegführenden sich noch schlimmer gestaltendürften.
Wie soll diese ungeheure Last getragen werden?
Es ist klar, daß man zur Deckung solch riesiger Ausgaben jedenur denkbare, halbwegs vernünftige Steuermaßnahme anwenden muß.Man wird auch hier umlernen und sich zu manchem verstehen müssen,was man in Friedenszeiten aufs Heftigste bekämpft haben würde.
Manche glauben die überaus schwierige und komplizierte Frage alleinmit dem Schlagwort »Reichsmonopole" lösen zu können. Es mußaber in jedem Fall sorgfältig geprüft werden, ob ein Gewerbszweigsich zum Monopolbetrieb eignet, ob nicht die Überführung in ihn soriesige Entschädigungen erfordert, daß der Monopolgewinn von vorn-herein aufgezehrt wird oder ob er nicht weit höhere Geschäftsspesenverursacht, als der private Betrieb. Im allgemeinen eignet sich einIndustrie- oder Handelszweig nur dann zum Monopolbetrieb, wenn erauf wenige Betriebsstätten beschränkt ist.
Das ist z. B. bei der Zigarettenindustrie der Fall. Sie wirdder Monopolisierung sicher nicht entgehen, auch wenn man währendder Kriegsdauer sich mit der stärkeren steuerlichen Heranziehung desFabrikats begnügen dürfte.
Umgekehrt ist die Zigarrenindustrie in so vielen Händen,daß die notwendigen Entschädigungen den Ertrag des Monopols ver-schlingen würden. Hier kann man Mehreinnahmen nur durch stärkeresteuerliche Heranziehung erzielen. Daß damit der kleine Fabrikanthärter als der große getroffen wird, haben die Erfahrungen mit derFakturenwertsteuer bewiesen. Die Banderolesteuer würde in der gleichenRichtung wirken und allmählich die Konzentration der Tabakindustrieunter Ausschaltung der schwächeren Fabrikanten zeitigen, sie monopol-reifer machen. Vorläufig ist sie es keinesfalls.
Das Kalimonopol würde ertragreich sein können, wenn nichtdie unglückselige Preispolitik des früheren Kalisyndikats und die völligverunglückte Kaligesetzgebung zu einer so fürchterlichen Überproduktionan Kaliwerken geführt hätte, daß jedes nur einen kleinen Bruchteilseiner Förderfähigkeit ausnutzen kann. Die Produktionskosten sinddarüber unsinnig hoch; trotz verhältnismäßig sehr hoher Kalipreise isteine Rentabilität meist nicht vorhanden. Das Reich müßte ungefährzehnmal soviel Werke erwerben, als es vernünftigerweise betreiben kann.Durch die Betriebskonzentration in wenigen Werken würden allerdingsdie Förderkosten sich beträchtlich ermäßigen. Ohne sehr erheblicheVerteuerung des Kalis würde aber ein nennenswerter Gewinn für das