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Die Kriegslasten und ihre Deckung / Georg Gothein
Entstehung
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Mit aller Entschiedenheit muß von vornherein Verwahrung ein-gelegt werden gegen sogenannte Besitzsteuern, die nur gewisse Ver-mögens- oder Einkommensarten treffen und andere frei lassen oder sieerheblich geringer heranziehen; Steuern, die mit Vorliebe das in Handelund Industrie arbeitende Kapital und das daraus fließende Einkommenbelasten. Das Prinzip: »Heiliger Florian, bewahr dies Haus, ziind'andere an!" darf unmöglich dauernd in unserem Steuerwesen herrschendwerden. Es läßt sich allenfalls einmal bei der Kriegsgewinnsteuer ertragen,nicht aber bei Dauersteuern.

Weder Monopolpläne noch die definitive Regelung derdirekten Reichssteuern lassen sich während des Krieges ver-wirklichen. Dazu gehören so umfassende Vorarbeiten, wie sie indieser Zeit sich überstürzender dringender Aufgaben und bei dem durchEinziehung bewirkten Beamtenmangel unmöglich geleistet werdenkönnen. Aber es erweist sich doch notwendig, für die tunlichsteBalancierung des laufenden Etats ohne die eigentlichen Kriegs-ausgaben und für einen Teil der Verzinsung der Kriegsanleihenschon während des Krieges Vorsorge zu treffen. Dem wird hinsichtlichder direkten Steuern die Kriegsgewinnsteuer dienen, die bereits für dasletzte Quartal des Steuerjahres 1916/17 verrechnet werden kann; danebenwerden vielleicht Portoerhöhungen und Steigerungen der Sätze indirekterSteuern auf Genußmittel dienen. Im übrigen wird man sich begnügenmüssen, die Grundsätze festzustellen, nach denen die endgültige Deckungder Ausgaben im Reiche später erfolgen soll. Einzelstaaten und Gemeindenwerden ihre Zuschläge zur Einkommen- und Vermögenssteuer ebenfallsschon für das kommende Haushaltsjahr festsetzen.

Auch die direkten Steuern können nicht in unbegrenzterHöhe erhoben werden, und es ist mehr als zweifelhaft, ob es ohneweitere Verbrauchsabgaben gelingen würde, die Mittel zur Deckung derAusgaben nach Friedensschluß aufzubringen. Wahrscheinlich wird mansich zu einer Steuer entschließen müssen, die man in normalen Zeitenals unvernünftig aufs Nachdrücklichste bekämpft haben würde, zurSteuer auf Brennmaterial. Zweifellos verteuert sie die Produktion-- das Brot der Industrie. Sie ließe sich nur dann verantworten, wennauch England dazu überginge. Aber auch ihm wird kaum etwas anderesübrig bleiben. Schon nach dem Burenkrieg schritt es zu dem Ausfuhr-zoll auf Kohlen. Mau wird sich dort sagen, daß man diesen höherals die innere Steuer machen kann und daß da die Schiffsfrachtenmit den Kohlenpreisen steigen müssen - das Ausland durchschnittlichteurere Kohle als das Inland haben würde. Für den Kohlenexportkommen aber im wesentlichen nur England und Deutschland inBetracht. Alle anderen Länder die Vereinigten Staaten von Amerika ausgenommen - sind im wesentlichen Einfuhrländer für Kohle.