welchem Elend unsere nicht im Geldüberfluß schwimmendeBevölkerung entgegengeht, und wir kommen damit zu dem Punkt 2 derKanitzschen Erklärungen, die in dem Steigen der landwirtschaftlichenKaufkraft günstige Folgerungen für die Industrie und die Arbeiterschaftsehen. Selbstverständlich müßte der Landwirt, Arbeitgeber und Arbeit-nehmer bei erhöhtem Verdienst in der Lage sein, erhöhte Aufwendungenfür seine Bedürfnisse zu machen. Wir wollen annehmen, daß beideKategorien an den höheren Erträgnissen ihren Anteil haben und daß mitetwaiger intensiverer Bearbeitung des Bodens, hervorgerufen durch dendadurch winkenden höheren Lohn, der Landwirt und der Landarbeitererhöhte Bestellungen in der Industrie machen bzw. erhöhte Einkäufetätigen. Wie wirkt sich denn aber der höhere Gewinn der Landwirtschaftauf die Industrie aus? Wenn der Landwirt infolge erhöhter Zölle dieKonkurrenz des Auslands ausschaltet, so wird, wie gesagt, die Einfuhrerschwert oder unmöglich gemacht. Es kommt also weniger Weizen undRoggen ins Land. Der Preis des heimischen Getreides steigt bis zu demPunkt (Inlandspreis plus Zoll), bei dem es ausländischem Getreide beigenügender Nachfrage und Kauffähigkeit des Inlands möglich wäre,wieder hereinzukommen. Daß diese Grenze nicht erreicht wird, dafürsorgt der Landwirt, indem er seine Preise ein wenig unter dem Preisedes ausländischen Produkts plus' Zoll hält. Das Inland ist also bei derheutigen Finanzlage auf die Erträgnisse der heimischen Scholle an-gewiesen. Der Preis ist gestiegen. Der Industriearbeiter muß mehr fürsein Brot anlegen. Er muß also mehr an Lohn bekommen, und die höherenGestehungskosten der Industrie müssen von dem Landwirt und seinemArbeiter beim Kauf der Industrieerzeugnisse aufgebracht werden.
Dadurch, daß der Landwirt aber für das, was er von der Industriekauft, mehr zu zahlen hat, steigt seine Kaufkraft nicht, und er ist gar nichtin der Lage, erhöhte Aufwendungen für Anschaffung industrieller Er-zeugnisse zu machen. Auf der anderen Seite ist durch die Zollerhöhungenaber der Brotpreis gestiegen, mit ihm der Lohn der Industriearbeiterund der Lebenshaltungsbedarf des Industriellen selbst. Das Fabrikatder Industrie ist im Preise gestiegen, weil die Kosten des teureren Brotesim Preise des Erzeugnisses zum Vorschein kommen müssen. Der In-dustrielle kann an die Landwirtschaft nicht mehr absetzen, und er wirdnun auch noch durch die höheren Preise im Absatz nach dem Auslandgehindert. Selbst wenn es sich nur um Weizen und Roggen handelnwürde, müßte die Auswirkung auf Inlands- und Auslandsmarkt sichbereits störend fühlbar machen. Aber es kommt noch etwas hinzu, unddas ist die Absatzstockung im Ausland selbst. Dieses Ausland hattebisher von dem Industriellen Maschinen bezogen, die es mit der Ausfuhrseines Weizens nach Deutschland bezahlte. Durch die inzwischen ein-getretene Zollerhöhung auf diesen Weizen in Deutschland kann derAusländer nicht mehr exportieren, und infolgedessen kann er mangelsErlös an dem Weizen auch nicht mehr die Maschinen in Deutschland kaufen. Dies war nur m rohen Umrissen an dem Produkt Brot dieWirkung der Zölle gezeigt. Eine weitere unweigerlich eintretende Folgewäre die Vergeltung des Auslands für die gehinderte Weizeneinfuhrund die Absatzstockung im Ausland, das nun einen erhöhten Zoll auf
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