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Die Gefahr des neuen Zolltarifs / Von Hermann Butzke
Entstehung
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deutsche Maschinen erhebt oder auf irgendeinen bisher von Deutsch-land bezogenen Artikel. Es leiden also nicht nur Landwirt, Maschinen-bauer und ihre Arbeiter, sondern auch ein nicht in ursächlichem Zu-sammenhang mit ihnen stehender dritter Berufszweig, der seinen Haupt-absatzmarkt in jenem Ausland hatte.

Die Frage des Exports ist also abhängig vonder de's Imports.

Es handelt sich aber nicht etwa nur um Roggen un dW eizen, sondernneben den Zöllen auf diese Produkte laufen andere Zolltarif-Positionen,die nicht nur ein Einsetzen in den alten Zustand aufweisen, sonderndarüber hinaus eine starke Zollerhöhung brin-gen. Betrachten wir die vorgeschlagenen Zollerhöhungen auf einigeLebensmittel.

Zolltarif 1902 Neuer(zurzeit frei) Vorschlag:für l dz für 1 dz

Kartoffeln, frische: Mark Mark

in der Zeit vom 15. Februar bis 31. Juli . . . 2,50 4,

in der Zeit vom 1. August bis 14. Februar . . frei frei

Zichorien, frische. frei frei

getrocknet.*. 0,80 2,

Rotkohl, Weißkohl, Wirsingkohl . 2,50 4,

Blumenkohl. 4, 20,

Weintrauben. 4, 30,

Äpfel, Birnen, Quitten vom 25. 9. bis 25. 11. . . frei 2,

26. 11. bis 24. 9. . . 2,50 6,

Aprikosen, Pfirsiche. 8, 50,

getrocknete Feigen . 8, 24,

getrocknete Mandeln. 4, 30,

Ananas, frisch . 4, 50,

Fruchtsäfte, nicht äther- oder waingeisthaltig . . . 6, 12,

Kaffeezusatzstoffe, wie gemahlene Zichorie usw. . 10, 40,

Bier aller Art in kleinen Gebinden. 8, 10,

in größeren Gebinden .12, 15,

Verschiedenes Backwerk einschließlich Keks, Zwie-back, Oblaten usw. 60, 125,

Teigwaren, Nudeln und nicht gebackene gleichartigeErzeugnisse aus Mehl und Gries, auch Kartoffel-nudeln ..... 25, 40,

Apfelsinen. 3,25 12,-

Zitronen. frei 12,

usw. Wenn wir uns nur diese Posten betrachten, so sehen wir bei demin unserm Volke wichtigsten Nahrungsmittel, der Kartoffel, eine Ver-teuerung, die im Großhandel schon 2 Pfennig pro Pfund ausmacht.Daß 2 Pfennig für 1 Pfund Kartoffeln im Etat eines industriellen Arbeiterseine Rolle spielen, wird niemand bestreiten. Die Zollerhöhungen aufRotkohl usw. müssen die Einfuhr aufs stärkste erschweren und denPreis des inländischen Kohls gewaltig steigern. Sie haben dann aber dieweitere Wirkung, daß der so stark gesteigerte Kohl aus der Küche der

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