ärmeren Bevölkerung überhaupt verschwindet und daß die Landwirt-schaft an diese Klassen Gemüsesorten absetzen kann, die heute vielleichtals Viehfütter Verwendung finden. Ein Wieder aufleben vonKohlrübenwintern muß eine Selbstverständlich-keit sein , wenn bessere Kohlarten, die Dauerware für den Wintersind, unerschwinglich werden. Blumenkohl wird bei einem um 500%höheren Zollsatz ein Luxuslebensmittel gleich dem Kaviar werden.Hier müssen wir uns aber ansehen, wer denn der Importeur von Blumen-kohl ist. Infolge der klimatischen Verhältnisse Hollands ist der Anbauvon Gemüsen und Blumen besonders günstig und deshalb ist Holland der fast alleinige Lieferant dieser Ware. Die Wirkung auf den hollän-dischen Exporteur muß bei einem Zollsatz von 10 Pfennig auf 1 Pfundkatastrophal sein und es besteht kein Zweifel, daß sie dies auch sein soll.Der holländische Bauer soll eben diesen Kohl nicht mehr nach Deutsch-land bringen können, damit die deutsche Landwirtschaft ihre Erzeugnisseum so besser absetzen kann. Wenn wir dann in dem neuen Tarif sehen,daß andere Waren, für die Holland als Lieferant stark in Betracht kommt,auch mit solchen Prohibitivzöllen (d. h. Zöllen, die einem Einfuhrverbotgleichkommen), belegt werden, so scheint es, daß es sich bei diesem Tarifüberhaupt um eine völlige Ausschaltung des Auslandsmarktes handelt.Blumenzwiebeln und Knollen werden in Zukunft 30 M. anstatt 10 M.kosten. Die nördlichen Nachbarn unseres Landes müßten sich alsoauf den Verlust des deutschen Marktes vorbereiten, wenn diese Plänedurchgehen sollten. Aber nicht nur Erzeugnisse, die wir vielleicht imeigenen Lande hersteilen können, sollen derartigen Zöllen unterworfenwerden, sondern auch Produkte des Feld- und Gartenbaus jeder Art,soweit sie zur menschlichen Ernährung geeignet sind. Die vorstehendeListe zeigt einige ■ der bekanntesten Genußmittel, wie Apfelsinen undZitronen, mit den alten und den jetzt vorgeschlagenen Zollsätzen.
Was wird Italien tun, was Spanien, wenn die Vervierfachungder Zollsätze auf Apfelsinen in Kraft tritt? Es ist mit Sicherheit anzu-nehmen, daß die verweigerte Apfel sineneinfuhr von den deutschen Fa-briken für Fahrräder und Spielzeug ausgebadet werden muß.
Keines dieser Länder kann auf den Export eines ihrer hauptsächlichenProdukte verzichten, und selbst wenn sie es wollen, so wäre ihre Kauf-fähigkeit für deutsche Industrieerzeugnisse derart geschwächt, daß wirebenso wie sie unter diesem Auf hören des Warenaustausches leidenmüßten. Es scheint also, als ob die Befürworter agrarischer Zölle nur denVorteil sehen, der ihnen aus dem scheinbaren Steigen der Preise für ihreheimischen Produkte erwächst, ohne gleichzeitig zu sehen, daß diesesSteigen der Preise ihrer Bodenfrüchte Hand in Hand mit einem Steigenaller Preise geht. Nehmen wir aber einmal an, daß wir in Deutschland in der Lage wären, die Interessen des Auslands unberücksichtigt lassenzu können. Wir kämen dann zu dem Ergebnis, daß uns 12% MillionenTonnen menschlicher und t.enscher Lebensmittel fehlen. Allerdingshaben wir früher an Roggen einen Uberschuß gehabt, den wir besondersnach Rußland exportierten. Wenn wir also diesen Roggen im Landebehalten, so könnten wir das Minus an Weizen durch Roggen ersetzenund könnten unter Zuhilfenahme anderer Feldfrüchte vielleicht den
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