Man sehe sich nur einmal die Konsulatsrechnungsformulare der Ver-einigten Staaten an und man sieht, daß U.S.A. mit niedrigeren Aus-landspreisen deutscher Verkäufer rechnet. Ein als „wahr und richtig“(true and correct) zu unterschreibender Passus dieser Formulare fordertdie Angabe, um wieviel niedriger (oder höher) der Auslandspreis gegen-über dem Preis in Deutschland ist. Bei niedrigeren Preisen wäre dasEingangszollamt m Nordamerika berechtigt, den Zoll vom Wert derWare auf den deutschen Inlandspreis zu erheben. Es ist also
die Selbstsucht,
die hohe Zölle fordert, um durch Ausschaltung derKonkurrenz ungestört die Gewinne zu erzielen,die ihr bei freiem Wettbewerb nicht zufallen könnten. Von diesem Stand-punkte aus ist also die Forderung nach hohen Garnzöllen zu verstehen.Ebenso ist es verständlich, daß die Weber nunmehr den Ausschlußfremder Gewebe unterbinden möchten. Aber nicht ganz so klar ist es,warum man die Einfuhr von Straußfedern, Reiherfedern und zugerich-teten Schmuckfedern von einem Friedenssatz von 4000 M. auf denzehnfachen Betrag von 40 000 M. steigert. Man kann natürlich ein-wenden, daß Schmuckfedern ein Luxus sind, den sich das arme Deutsch-land nicht gestatten kann. Wir müssen aber bedenken, daß es sich nichtlohnen würde, in einem armen Deutschland derartige Schmuckfederneinzuführen, um sie im Inland zu verwerten, und es ist deshalb sicher,daß die Einfuhr hochwertiger Schmuckfedern lediglich für die Wieder-ausfuhr bestimmt ist. Bei der Schwerfälligkeit unserer Zoll- und Finanz-bureaukratie ist aber die Einfuhr mit etwa angeborenem Nachweis spätererWiederausfuhr und Rückvergütung sichergestellten Zolls unmöglich,denn niemand ist bei der herrschenden Geldknappheit in der Lage, auflängere oder auch nur auf kürzere Zeit größere Zollbeträge zu hinter-legen. Er braucht sein Geld, um damit zu arbeiten. Die Folge dieses1000%igen Zollzuschlages wäre also die Abwanderung der verarbeiten-den Schmuckfeder-Industrie in andere Länder einerseits und eine Ver-ärgerung der Federn exportierenden Länder andererseits. Was wirdSüdafrika, was Australien tun, wenn Deutschland durch einen um1000% höheren Zoll die Einfuhr der Federn, auf deren Ausfuhr dieseLänder angewiesen sind, unmöglich macht? Bei der Stellung Australiens zu den wirtschaftlichen Weltproblemen sind Repressalien selbstver-ständlich. Wir sehen also, daß derartig unsinnige Zollforderungen, dielediglich aus dem Gedanken resultieren, daß wir einen Zolltarif nur nachunseren Interessen aufstellen können, einen weiteren schweren Schadenfür unser Land bedeuten. Wir sind nicht in der Lage, der Welt die Be-dingungen vorzuschreiben, unter denen wir mit ihr die alten wirtschaft-lichen Beziehungen wieder aufnehmen wollen; sondern es verhält sichmit uns und der Welt immer noch so wie Adam Smith, der Vater desFreihandels, es vor 150 Jahren bereits ausdrückte:
„Dem Erzeugnis inländischen Gewerbefleißes in irgendeiner be-sonderen Kunst oder Arbeit, das Monopol des heimischen Marktes zu-gestehen, heißt gewissermaßen nichts anderes, als Privatleuten die Artvorzuzeichnen, wie sie ihre Kapitalien an wen den sollen, und es ist des-