halb in fast allen Fällen entweder eine nutzlose oder eine schädliche Maß-nahme. Kann da£ Produkt des heimischen Gewerbefleißes ebenso wohl-feil geliefert werden wie das des fremden, so ist die Maßnahme offenbarnutzlos; kann es das aber nicht, so muß sie in der Regel schädlich sein.Bei jedem klugen Hausvater ist es eine Regel, niemals etwas im Hausemachen zu lassen, was ihn weniger kosten würde, wenn er es kaufte.Dem Schneider fällt es nicht ein, seine Schuhe zu machen, sondern erkauft sie vom Schuhmacher; dem Schuhmacher fällt es nicht ein, seineKleider selbst zu machen, sondern er kauft sie vom Schneider, und demLandmann fällt es nicht ein, sich eines oder das andere zu machen, sonderner setzt jene beiden Handwerker in Nahrung. Alle diese Leute findenes in ihrem Interesse, ihren Gewerbefleiß ganz auf diejenige Art anzu-wenden, in der sie etwas vor ihren Nachbarn voraus haben und dann ihrenübrigen Bedarf mit einem Teil ihres eigenen Erzeugnisses oder, was das-selbe ist, mit dem Preise eines Teiles zu kaufen. Was aber in der Handlungs-weise einer Familie Klugheit ist, das kann in der eines großen Reiches(oder sagen wir lieber der Völkerfamihe) wohl schwerlich Torheit sein.“
Um aus dem Elend der Jetztzeit herauszukommen, um unseren Ver-pflichtungen aus dem Londoner Abkommen, um unsere Schulden zubezahlen und der kommenden Samerungsanleihe nicht nur im Zinsen-dienst, sondern vor allem auch in der Tilgung gerecht werden zu können,müssen wir uns nicht auf wirtschaftliche Inzucht, auf einen möglichstgeschlossenen Handelsstaat einstellen, sondern wir müssen rationelleWirtschaft führen und dürfen nicht aus angeblich' vaterländischenGründen unproduktiv arbeitende Betriebe nur deshalb aufrecht erhalten,weil sie einmal vorhanden sind. Friedrich II. von Preußen konnte essich noch erlauben, seine Porzellanmanufaktur dadurch in Tätigkeit zuhalten, daß er die jüdischen Untertanen seines Landes zwang, die Er-zeugnisse der Manufaktur abzunehmen. Wir können uns den Luxuseiner Erziehung neuer Industrien im Augenblick nicht gestatten, dennunsere so wohl ausgebildete Industrie kann nur die Ziele erreichen, diesie erreichen muß, um der Gesamtheit zu helfen, wenn ihr der Schutzvor der Konkurrenz, der zur Trägheit führt, genommen wird. Wir könnennicht Experimente machen wie sie der Irische Freistaat im Augenblickvornimmt, der z. B. auf Glasflaschen einen Wertzoll von 33 1 / / 3% ein-führt und zwar ausschließlich zum Schutz der einen Fabrik, die inRingsend m Dublin besteht. Es würde für Irland besser sein, die fürseinen Gebrauch benötigten Flaschen aus England oder Deutschland zubeziehen, denn die heimischen Flaschen werden Preise erzielen, mitdenen jede Ausfuhr irischen Whiskys unmöglich werden wird. Ganzgleich liegt die Sache bei uns. Wir können uns nicht den Luxus gestatten,zugunsten einzelner einen Schutz einzuführen, der der Masse der Bevöl-kerung schwere Lasten aufbürdet. Wir dürfen also einen Zolltarif nichtauf stellen, der nach den Wünschen der Interessenten geformt ist. Maß-gebend für jede Staatshandlung muß das Interesse der Allgemeinheit sein.
Um also zu resümieren: Der neue Zolltarif auf Lebensmittel ist eineGefahr, die, wenn der Tarif m Kraft treten könnte, zu neuem Zusammen-bruch führen müßte. Es fehlen uns rund 12% Millionen Tonnen mensch-licher und tierischer Nahrungsmittel. Die deutsche Landwirtschaft ist
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