heute weniger denn je in der Lage, diese 12% Millionen Tonnen auf derheimischen Scholle zu produzieren. Die Folge wäre also die, die wir ausdem Kriege kennen. Die Lebensmittel müssen gestreckt, das Vieh abge-schlachtet werden, und von Tag zu Tag würde die Lebenshaltungschlechter. Da ein derartiges Experiment wohl einmal im Kriege gemachtwerden konnte, aber nicht ein zweites Mal, so würde das Durchhaltennicht wieder gelingen, sondern innere Klassenkämpfe und Zusammen-bruch der neuen Währung wären das Resultat. Das ausländische Kapitalwürde sich, wenn es auch jetzt in die deutsche Anleihe hineingeht, beieinem Gelingen der schutzzöllnerischen Pläne zu lösen versuchen; es würdeeinem Lande, das seine Fremdenfeindlichkeit in dieser noch dazu sinn-losen Form einer Selbstblockade zeigt, keine weitere Unterstützung leihen.
Das vom Handel mit uns ausgeschlossene Ausland wäre dank billigererPreise in der Lage, uns auf jedem anderen Auslandsmärkte aus dem Feldezu schlagen, und es könnte selbst dort, wo es deutsche Fabrikate ge-brauchen müßte, nicht in nennenswertem Umfange von uns kaufen, weilihm die Möglichkeit fehlt, diese Exporte Deutschlands mit seinen Im-porten zu bezahlen. Die Versuche Deutschlands , einen Unterschiedzwischen lebensnotwendigen Waren und Luxuswaren zu machen, müssenfehlschlagen, weil das Ausland selbst von uns als Luxus betrachteteWaren oder Produkte an uns absetzen muß, da diese vielleicht einenHauptbestandteil seiner Erzeugnisse bilden. Was würde in Deutschland für ein Geschrei erhoben, wenn England zum Beispiel die Silbererzeug-nisse Hanaus als Luxuswaren mit einem Prohibitivzoll belegen würde?Daß Hanauer Silberwaren Luxuswaren sind, wird niemand bestreiten.Was würde geschehen, wenn England Solinger Stahlwaren ausschließenwürde, weil es in der Lage ist, in Sheffield selbst genügend Stahlwarenherzustellen? Die Geschichte des englischen Weltreichs gibt uns dieAntwort. Seit der Einführung des Freihandels istEngland das geworden, was es ist. Vor allem der Geld-markt der Welt, der Umschlagsplatz vieler fremder Exportwaren, dasbeherrschende Handsisland dss Globus. Zwei Ziffern mögen die Ent-wicklung zeigen: Die Handelsstatistik Englands zeigt 1855/59 und 1923folgende Zahlen:
In Millionen Pfund:
Im Zeitraum
Einfuhr
Ausfuhr brit.Waren
Wiederausfuhrimport. Waren
Gesamt-
Ausfuhr
1855—59
169
116
23
139
1922
1003
719
103
823
1923
1098
767
118
885
Diese Zahlen zeigen uns für 1922 einen Einfuhr-Uberschuß von213 Million en Pfund Sterling. Alle Einwände mit Bezug auf den Wohl-stand Englands sind verfehlt, denn im Frieden wurde bei uns hinsichtlichder Schutzzölle mit den gleichen Mitteln gearbeitet wie heute. In einemsind sich die Anhänger der Schutzzölle gleich geblieben: Sie arbeitenstets mit den gleichen Argumenten. Die Vermehrung der Produktion,die Hebung der Arbeitslosigkeit und der Schutz der nationalen Arbeitoier die Vaterlandsliebe oder ähnliche hohe das Herz rührende Argu-
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