Druckschrift 
Die Gefahr des neuen Zolltarifs / Von Hermann Butzke
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

mente sind stets hervorgeholt worden, wenn es galt, den Hauptgrundzu verschweigen* um dessentwillen auch der leichtgläubigste und ober-flächlichste Denker nicht den Schutzzollplänen zugestimmt hätte. DieserHauptgrund ist stets und nicht nur in Deutschland der Vorteildes eigenen Portemonnaies. Es ist die einzige Tüchtigkeit der altenSchutzzöllner gewesen, daß sie das Wort Schutzzoll erfanden, denn einerichtige Bezeichnung des Zustandes, der durch hohe Zölle erzielt wird,müßte im Gegensatz zum Freihandel Behinderter Handel lauten.Wenn wir aber dem Volke die Frage vorlegen würden, ob es Freihandeloder Behinderten Handel haben will, so würde das gesunde Empfindensich für die Freiheit entscheiden. Wir stehen mitten in neuen

Han d t e lsvertragsverhandlungen.

Am 12. Oktober, an dem diese Zeilen geschrieben werden, läuft dieWolf-Depesche durch die Presse, daß die nach Paris gereisten Unter-händler nach Berlin zurückgekehrt sind, um mit denInteressen-ten zu beraten. Hier hören wir es offiziell, daß nicht das Wohl desGanzen die Tarife diktiert, sondern die Eigeninteressen gewisser Kreise.Für den gesunden Menschenverstand sollte es selbstverständlich sein,daß ein Handelsvertrag nur von der Rücksicht auf das Gesamtwohlunseres Landes diktiert sein darf, aber Regierungskunst hat vielleichtmit gesundem Menschenverstand weniger zu tun, denn sonst könnte mandoch nicht urbietorbi verkünden, daßVerhandlungen abgebrochen werden,um zuerst Verhandlungen mit den Interessenten zu führen. Die privat-wirtschaftlich eingestellten Interessenten werden selbstverständlichProhibitivzölle fordern denn man kann von einem privatwirtschaftlichdenkenden Menschen nicht volkswirtschaftliches Denken fordern. DerPrivatwirtschaftler steht auf dem Standpunkt, daß es dem Staat gut gehenmuß, wenn es ihm gut geht. Eine Widerlegung dieses privatwirtschaft-lichen Unsinns ist überflüssig.

Es ist nötig, unausgesetzt darauf hinzuweisen, daß die Interessentennur privatwirtschaftlich denken und fühlen. Die reinen Interessentenkönnen gar nicht anders, als jede Staatshandlung vom Standpunkt ihresBerufszweiges (manchmal sogar nur vom Standpunkt ihres eigenenGeschäfts) aus zu betrachten, und so werden wir nach der Rückkehr derdeutschen Handelsdelegierten aus Paris das alte Spiel sehen: das Fordernhoher Zölle, damit bei dem zukünftigen Schachern wenigstens beigrößeren Abstrichen noch etwas bleibt.

Wenn man bei den jetzt begonnenen Pariser Verhandlungen den Be-grüßungsworten gefolgt wäre, dann hätte man die Interessenten nichtzu Rate ziehen dürfen. Die Begrüßung der Franzosen drückte die Wahr-heit aus:Ohne einen normalen wirtschaftlichen Verkehr zwischenunsern beiden Ländern kann es weder den wahren Frieden noch denAufbau Europas geben. Die deutsche Delegation dankte:GleichesVertrauen und möglichste Freiheit soll an die Stelle von Differenzierung,Mißgunst und Prohibition m der ganzen Welt treten.

Gleiche Sonne, gleicher Wind eine alte freihändlerische Forderung,der selten entsprochen wird. Es klingt recht schön, aber was soll mandann sagen, wenn man den von Mißgunst, Differenzierung und Prohi-

18