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Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
14
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Widerstand im Keime ersticken. Er war ein furioser Anhängerder Abschreckungstheorie, derTerritivn", wie er es zn nennenpflegte. Das zeigte sich auf allen Wegen. Den politisch zahmen,geistvollen Redakteur des Kladderadatsch, Ernst Dohm , der inseinem Haus verkehrte und von ihm familiär zu Tisch gezogenwurde, ließ er wegen eines harmlosen Witzes verklagen und dieStrafe iu Plötzensee absitzen. Die Formulare des Antrags aufBeleidigung durch die Presse lagen gedruckt aufgestapelt, um siedringlich verwenden zu können. Dem Vorbild dieser stereotypenBismarckbeleidigung" verdanken wir zum Theil bis auf denheutigen Tag die alberne Sitte, das; viele Behörden und Privat-leute wegen jedes Flohftichs in der Presse das scharfe Schwertder Gerechtigkeit anrufen, wie in keinem anderen Land der Welt,und daß jedes leichtsinnig hingeworfene Wort der Rede, jedejokose Zeichnung als Staatsverbrechen mit Gesängnißstrafe ge-ahndet wird.

Wenn die Verfasser vonLesebüchern für die reifere Jugend"nachschönen Zügen aus dem Leben" .suchen, werden sie Mühehaben, für den großen Kanzler Geschichten edlen Verzeihen? oderrührender Großmuth aufzutreiben. Eine That jedoch ist akten-mäßig verzeichnet und hat ihm sogar die Rettungsmedaille ein-getragen. Im Jahre 1842 sprang er als Landwchroffizier seinembeim Schwemmen der Pferde dem Ertrinken nahe gekommenenReitknecht in einen See nach und zog ihn heraus. Daß er einguter Schwimmer war, schmälert dies Verdienst nicht. Er ver-werthete einmal in der Unterhaltung mit mir dies Erlebniß zueiner jener bilderreichen Parallelen, in denen er so stark war.Wir sprachen von seinem Kamps gegen Oesterreich , 1866. Esging mir dabei, sagte er, wie damals, als ich meinen Reitknechtaus dem Wasser zog. In einem Moment fühlte ich mich sokrampfhaft von ihm umklammert, daß er mich mit in die Tiefezu ziehen drohte.Er oder ich, sagte ich mir, und drückte ihmdie Kehle so fest zu, daß er bewußtlos und kraftlos wurde."'Darnach brachte ihn der Retter an die Oberfläche, aber es be-dürfte, wie sein Biograph Hahn berichtet, längerer Zeit, ehe manden für todt Gehaltenen wieder zum Leben brachte.

Sehr bezeichnend ist die Erzählung, wie nach Camphausens