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Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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schein nach in verschiedenen intimen Angelegenheiten sein Ver-trauen besaß und sich gerne die Rolle eines väterlichen Mentorszulegte, besuchte ihn bald nach seiner Entlassung in Friedrichs-ruh und erzählte, von da zurückkehrend, er habe ihn gebeten,seiner Empörung nicht bei den Interviewern und in der Presse allzuheftigen Ausdruck zu geben. Daraus hätte ihm Bismarck geantwortet: das könne er nicht unterdrücken, es sei zu seinerGesundheit nöthig.

Damit stimmt, was eiuer der frühsten Interviewer berichtet.Der Redakteur des Pariser I>stit ^mu-UÄl", derselbe HerrJudet, der jetzt zu den Hauptsührern der Generalstabspressegegen Dreysus gehört, war schon Ende Mai zur Audienz inFriedrichsruh zugelasseu und widmete seinem Referat über diefünfstündige Ergießung sechs Spalten, die er mit den Wortenbeginnt:Fürst Bismarck ist wieder sehr mittheilsam geworden",und an einer anderen Stelle fügt er hinzu:Dies ist für seineGesundheit nothwendig." Der Bericht des?etit ^ouriilü" istinhaltreich und in seiner Art interessant. Ein künftiger Geschicht-schreiber und Biograph Bismarcks wird auch dieses, wie so vieletausend andere Schriftstücke, zu Rathe ziehen müssen. Einekolossale Aufgabe in der That: einmal Alles zusammenzufassen,was dieser nimmer ruhende Geist an eigenen Aussagen und anWiedergaben Anderer als Material zur Schilderung seiner Per-sönlichkeit aufgehäuft hat. - Im gegenwärtigen Augenblickbietet eine Stelle dieser französischen Unterhaltung ein besonderesInteresse. Sie lautet:Ich war gegen die Annektirung desTheils von Schleswig , der 150000 Dänen einschließt. Manhat mir sie ausgezwungen". Bismarck sagte auch zu Judet, erwerde sich in den Reichstag wählen lassen und sich an denSitzungen betheiligen, nicht etwa, um seineNachsolger zngeniren"(Gott bewahre!), sondern nur um seine Ideen zu vertheidigen.

Judet war mir vou einem in Paris wohnenden Deutschenempfohlen und machte mir seinen Besuch. Ehe er unternahm,um eine Audienz in Friedrichsruh zu bitten, frug er mich, obich glaube, daß er es wagen dürfe. Ganz gewiß, sagte ich ihm.Ich wußte, daß solche Sprachrohre dort höchst willkommenwaren. Einige Zeit daraus richtete der bekannte Deutsch -Ameri-

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