Aeneas Sylvius , aus dem Geschlechte der Pieeolomini, als PapstPlus der II. genannt, der sich in der Mitte des 13. Jahrhundertsöfters zu Augsburg aufhielt, nannte dasselbe ohne Bedenken die reichsteStadt der Welt. Darf dieses Lob auch nicht gerade buchstäblich genommenwerden, so ist doch jedenfalls gewiß, daß Augsburg's Handel damalsnoch in der vollsten Blüthe stand, und daß in seinen Gewerben einevielseitige Thätigkeit sich zeigte, die mit reichlichem Gewinne belohnt wurde ^.Der erworbene Reichthum hatte natürlich auf die Gestaltung des äußernLebens und des geselligen Verkehrs einen großen Einfluß. Man wollteden Ueberfluß, dessen man sich erfreute, sehen lassen: prachtvolle Gebäudewurden aufgeführt, glänzende Spiele zogen selbst Fremde herbei, zahlreicheFeste boten erwünschte Gelegenheit zu fröhlicher Unterhaltung und heiteremGenusse; überall trat das Bild behaglicher Zufriedenheit entgegen. Aberin dieser Zeit des Wohlstandes war auch der Sinn für die edleren Künsteerwacht, die das Leben verschönern und dem empfänglichen GemütheFreuden höherer Art gewähren. Mit besonderer Vorliebe wurden dieLieder des Sängers vernommen und die Werke der Dichter gelesen. Mansammelte sorgfältig, was aus der früheren sangreichen Zeit von denErzeugnissen der romantischen Poesie sich erhalten hatte; eigene Vereine,nach dem Muster der zünftigen Genossenschaften gebildet, pflegten die Gabe
*) «f. Fischers Geschichte des teutschen Handels II. p. K47 u> f. und HüllmannsStadtcwesen im Mittelalter I. p. 378 und p. 71, wo der Reim angeführt ist:Der Veneter Macht,Der Augsburgcr Pracht,Der Nürnberger Witz,Der Straßburger Geschütz.
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