Die
Augsburger Formschneiderarbeiten.
Schon mein Vorgänger im Bibliothekariate, der verstorbene HofrathDr. Beyschlag, legte eine Sammlung alter Holzschnitte an. Ich war soglücklich, sie seit meiner Amtsführung durch interessante Beiträge vermehrenzu können. Einige dieser Bilder gehören vielleicht zu den frühesten Erzeugnissender Formschneidekunst, andere, wie namentlich mehrere von Hans Burgmair,sind durch ihre Schönheit ausgezeichnet. Es war anfangs meine Absicht,sie insgesammt in dieser Schrift durch lithographirte Abbildungen zuveröffentlichen. Da Augsburg jedenfalls als eine der ältesten und vorzüglichstenPflanzschulen der Holzschneidekunst betrachtet werden muß, aus welcher nachMurrs u. A. Vermuthung sogar das erste Product dieser Kunst, dersogenannte Burheimer Christophorus vom Jahre 1423, hervorgegangenist, so glaubte ich, der Geschichte der Xylographie durch solche Mittheilungeneinen wesentlichen Dienst zu leisten. Freilich entbehren gerade diejenigenBlätter, die ich für die ältesten halte, der bestimmten Kennzeichen, nachwelchen man sie mit Sicherheit einem hiesigen Formschneider zueignen könnte.Indeß waren sie doch alle auf die Rückseiten des Einbandes unserer Augsb.Inkunabeln geklebt, und dann dürfte ihre Veröffentlichung an sich schonwegen ihres hohen Alters gerechtfertigt seyn. Als die wichtigsten in dieserBeziehung erscheinen mir namentlich zwei Holzschnitte. Der eine aufcinem Blattin kl. k'ol. stellt einen Nciter vor, dessen Pferd durch einen Blitzstrahl zuBoden geworfen wird. Oberhalb links ragt das Brustbild des Herrn hervor,
*) Christoph Gottl. von Murrs Journ. zur Kunstgesch. II) x. 103. LibliotKoeasponeoriaus, Dibäin Vol. I, p. II. Ersch und Grubers allgemein. EncyclopädieII. Sect. 10 Th. p. I8S.
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