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Währung und Landwirtschaft / gemeinfaßlich dargest. von Karl Helfferich
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7°/o. Dazu tam die Anwendung künstlicher Dungmittel, welcheden Landwirt in stand setzt, je nach der Bodenart die Stallmist-produktion mehr oder weniger zu beschränken, und welche dadurchden Ackerbau von der Stallmistproduktion bis zu einem gewissen Gradeunabhängig machte.

Alle diese Verbesserungen hätten schon bei gleichbleibenden Ge-treide- zc. Preisen die Lage der Landwirtschaft bedeutend heben müssen.Aber die Preise fingen sogar an, eine steigende Richtung einzuschlagen.Die Gctreidepreise, welche im Jahrzehnt von 182130 ganz außer-ordentlich niedrig standen (in Preußen Weizen 121 Roggen 87 ^pro Tonne), stiegen in den beiden folgenden Jahrzehnten allmählich,aber anhaltend. Das Jahrzehnt von 185160 brachte eine rapidePreissteigerung, das folgende einen kleinen Rückschlag, das Jahrzehntvon 187180 eine Preissteigerung, welche diejenige von 185160noch übertraf (Durchschnittspreis für Weizen 220 , für Roggen170 Die Preise für Weizen und Roggen standen in dieser Zeit

etwa doppelt so hoch wie 182130.

Eine ähnliche Preisbewegung zeigen die tierischen Produkte derLandwirtschaft, namentlich Fleisch und Butter; nur war hier die Preis-steigerung noch größer als bei den Ackcrbauerzeugnisseu. Die Wolleallein, deren Preis von 182160 ein hoher war, sank von 1860ab ziemlich bedeutend.

Diese Preissteigerung der landwirtschaftlichen Produkte wurdehauptsächlich durch folgende Umstünde hervorgerufen: Der industrielleAufschwung Deutschlands in jeuer Zeit, verbunden mit einerbedeutenden BevölterungSznnahme, steigerte den Nahrungsmittelbedarf inweit höherem Grade, als damals neue Prodnktionsgcbietc erschlossenwurden. Die Verkehrsverhältnisse in denjenigen Ländern, welche heuteals GetreioeprodultionSgebiete die wichtigste Rolle spielen, waren derartigunentwickelt, daß sie den Weltmarkt mir schlecht mit Getreide versorgentonnten. Ferner war damals England dasjenige Land, welches diehöchsten Getreidepreise hatte, und zugleich der wichtigste Abnehmer fürdeutsches Getreide. Nach den englischen Preisen richteten sich auch diedeutschen, sie standen nm die Transportkosten nach England niedrigerals die dortigen. Je näher durch die fortschreitende Ausdehnung desdeutschen Eisenbahnnetzes :c. das deutsche Getreide dem englischen Marktegebracht wurde, desto geringer wurde die Differenz zwischen dem deutschenund dem englischen Getreidepreis.

Dnrch diese Verhältnisse wurde in noch höherem Maß, als dieGetreideprcise sich hoben, ein Steigen der landwirtschaftlichenReinerträge herbeigeführt. Das zeigt sich schlagend an den preußi-schen Domüuenpachtpreisen. Während in den älteren Provinzen derPachtpreis pro .Nektar nukbarer Fläche im Jahre 1849 13,90 Markbetrug, war er 1879 36,63 Mark.

Die fast ununterbrochene Blütezeit von 1830 bis 1880 rief die festeUeberzeugung hervor, die bisherige Entwickelung werde eine dauernde