***Datenbanken speichern Informationen. Dies nicht etwa in Analogie zu Keil-schrifttafeln, Papyrusrollen, Pergamenten, Quipus oder Büchern sie repräsen-tieren vielmehr die folgerichtige Weiterentwicklung dieser klassischen Daten-speicher der Menschheit. Zugleich werden die Informationen gesichert im Ge-gensatz zu»database« hebt die deutsche Bezeichnung dies hervor , wodurchDatenbanken herkömmlichen analogen Speichermedien deutlich überlegen sind,denn grade ihre Immaterialität erweist sich theoretisch als unschlagbare Stärke:Was physisch nicht existent, aber per Mausklick jederzeit duplizierbar ist, kannauch keinen Schaden nehmen vorausgesetzt, alle nötigen Vorkehrungen wur-den getroffen.4Ihre>Unkörperlichkeit< verleiht Datenbanken darüber hinaus ei-nen weiteren, unschätzbaren Vorteil: Sie speichern und sichern Material und In-formationen in einer Erschließungs- und Präsentationsform, die in analoger Formgar nicht gegeben ist. Insbesondere retrospektive Digitalisierungsprojekte, diehistorische Quellencorpora über das Internet zugänglich machen, illustrierendiesen wichtigen Aspekt des datenbankgestützten Speicherns, Sicherns undKreierens von Materialsammlungen.Als Beispiel mag das Internetarchiv jüdischer Periodika»Compact Memory«5dienen, das auf seinen Webseiten einen strukturierten Zugriff auf die digitalenAbzüge von über 100 deutsch-jüdischen Periodika des 18., 19. und 20. Jahrhun-derts anbietet. Insgesamt steht ein etwa 750.000 Originalgraphiken umfassendesZeitschriftencorpus zur Verfügung, das in unterschiedlicher Erschließungstiefeals Quellenreservoir alle relevanten Lebensbereiche des deutschsprachigenJudentums der Neuzeit dokumentiert. Die Bezeichnung>Archiv< unterstreichtdas besondere Merkmal des Angebots:»Compact Memory« stellt nicht nur einenachhaltige Speicher- und Sicherungsplattform des digitalen Materials dar dasArchiv ist darüber hinaus vollkommen virtuell; es bündelt Quellen und kreierteine Sammlung, die in dieser Vollständigkeit an keinem Ort der Welt realiterexistiert. Gesammelt, erschlossen und präsentiert werden Daten und Digitalisatevieler hundert Zeitschriftenjahrgänge, die bislang über Dutzende in- undausländische Bibliotheken und Archive verstreut waren, nicht mehr in den4Vgl. zum Komplex der>Nachhaltigkeit< z. B. die Arbeit des KompetenznetzwerkesLangzeitarchivierung nestorhttp://www.langzeitarchivierung.de(05.07.2006).5Das von 2000 bis 2006 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderteDigitalisierungsprojekt(www.compactmemory.de) wurde in Kooperation des Lehr- undForschungsgebiets Deutsch-jüdische Literaturgeschichte an der RWTH Aachen, derUniversitätsbibliothek Frankfurt/Main sowie der Bibliothek Germania Judaica e.V., Kölnrealisiert. Die technische Unterstützung erfolgte von Seiten der semanticsKommunikationsmanagement GmbH. Vgl. Till Schicketanz/ Kay Heiligenhaus:»Inseln imMeer des Beliebigen«. Architektur und Implementierung eines Internetportals Deutsch-jüdische Periodika. In: Jahrbuch für Computerphilologie 5(2003), S. 6796http://computerphilologie.uni-muenchen.de/jg03/schicketanz-heiligenhaus.html(25.05.2006).169
Aufsatz in einem Sammelwerk
Digitalisierungsprojekte, Datenbankportale und Literaturmanagement in den Geisteswissenschaften : Anforderungsprofile – Softwarelösungen – Realisation
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