Leihverkehr gelangten, nun aber als einmalig komplettierter Bestand zentral ab-gerufen und recherchiert werden können.»Compact Memory« verdeutlicht eine weitere zentrale Funktion: Datenbankenverteilen Informationen. Vor allem unzureichend überliefertes Material, dasbislang eingeschränkt vor Ort zugänglich war, dem Gros der Interessierten ver-schlossen blieb bzw. dessen Distribution für Bibliotheken und Archive eineenorme Mehrbelastung darstellte, kann global verfügbar gemacht werden.Datenbanken wie jene von»Compact Memory« dienen der allgemeinen Ver-besserung der Informations- und Literaturversorgung und stellen dabei nicht nurfür Forschung und Lehre einen qualitativ wichtigen Zugewinn dar in Zeitenleerer Haushaltskassen bieten sie auch ernstzunehmende ökonomische Alterna-tiven und Vorteile. Einerseits tragen solche Digitalisierungsprojekte im Infor-mationszeitalter stets zu einem positiven, öffentlichkeitswirksamen Image derverantwortlichen Institutionen bei. Andererseits können die eingesetzten Tech-nologien kostensparend in vergleichbaren Projekten nachgenutzt werden, ohneunüberschaubare Mehraufwände zu verursachen. Das Schwesterprojekt von»Compact Memory«, das an der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main ange-siedelte Portal»Jiddische Drucke« illustriert diesen Zusammenhang.6Auf analoger technischer Basis wie»Compact Memory« realisiert, präsentiert»Jiddische Drucke« ein ca. 130.000 Einzelseiten bzw. rund 1.000 äußerst wert-volle Monographien umfassendes Corpus jiddischer und deutsch-jüdischerAlltags- und Gebrauchsliteratur vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Aufgrundihrer homogenen Datenmodelle wären beide Portale problemlos unter dem ge-meinsamen Dach einer>Virtuellen Bibliothek des Judentums< zu vereinigen,wobei die Datenbanken durchaus an verteilten Standorten vorgehalten bzw. überSchnittstellen weitere Datenbanken integriert werden könnten. Hierzu sindselbstverständlich einheitliche, technische Standards erforderlich, an denen es inden Geisteswissenschaften aufgrund allzu vieler>Insellösungen< leider immernoch mangelt. Aus der Inkompatibilität des überwiegenden Teils geisteswissen-schaftlicher Datenbankangebote, die uns heute noch wie Jäger und Sammlerdurch das World Wide Web streifen lässt und oft genug mit Zufallsfunden nachHause schickt, resultiert eine unumstößliche Lehre: Datenbanken verteilen In-formationen nicht allein an Endnutzer aus Fleisch und Blut sie distribuierenDaten ebenso an andere Datenbanken, Verbünde von Datenbanken oder über-geordnete Portale. Die Entwicklung einer Datenbank hat folglich dem Prinzipder Ubiquität zu folgen, was einerseits bedeutet, dass die Datenbestände global6Zum DFG-Projekt Jiddische Drucke(www.literatur-des-judentums.de) derUniversitätsbibliothek Frankfurt/Main vgl. Rahel Heuberger: Die Bestände der Judaica-Sammlung auf dem Weg ins Internet. Zwei Digitalisierungsprojekte an der Stadt- undUniversitätsbibliothek Frankfurt a. M. In: Tribüne 39(2000), H. 154http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2005/1313/html/tribuene.html(05.07.2006); dies., Jiddische Bücher im Internet. In: Jiddistik Mitteilungen, Nr 30,November 2003, S. 1523.170
Aufsatz in einem Sammelwerk
Digitalisierungsprojekte, Datenbankportale und Literaturmanagement in den Geisteswissenschaften : Anforderungsprofile – Softwarelösungen – Realisation
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