nalkosten und fordern in der Regel ein üppig bemessenes Zeitbudget. Im Gegen-zug sind meistens nur Großprojekte, die sich an ein breites und daher in denGeisteswissenschaften vergleichsweise seltenes Publikum wenden, in der Lage,die entstandenen Aufwände durch angemessene Lizenzmodelle abzufedern, fallsdas Vorhaben nicht ohnehin von der öffentlichen Hand finanziert wird oder demOpen Access-Modell folgt. Neben dem bereits erwähnten technischen Kriteriumder Ubiquität ist also jede Institution, die ein solches Projekt erwägt, gut bera-ten, Planung und Realisation auch unter die Prämissen der Quantität, Simulta-nität und Simplizität zu stellen.Datenbank- und Digitalisierungsprojekte machen aufgrund der hohen, langfristi-gen Investitionen ökonomisch nur Sinn, wenn eine>Masse< von Daten für eine>Masse< von Nutzern aufbereitet wird. Vorhaben, die lediglich eine überschau-bare Klientel bedienen bzw. eine schmale, womöglich sehr spezialwissen-schaftliche, niederfrequent genutzte Datenbasis anbieten, rechnen sich nicht, sobedeutsam das Ansinnen auch erscheinen mag. Dies bedeutet nun freilich nicht,dass Projekte, die nicht wenigstens einige Hunderttausend Datensätze bzw.Digitalisate ein paar Tausend potentiellen Nutzern zur Verfügung stellen, bereitsin der Planungsphase verworfen werden müssen. Vielmehr sollten in quantita-tiver Hinsicht>kleine< Projekte möglichst jede technische Eigenentwicklungvermeiden und konsequent und kompromißlos auf die kostengünstigere Nach-nutzung bestehender Softwaresysteme setzen selbst wenn dies heißt, nicht alleProjektziele verwirklichen zu können.Aber nicht allein aus Kostengründen sollte der Versuchung widerstanden wer-den, Softwareentwicklungen in Eigenregie vorzunehmen: Die Ergebnisse desvergangenen Jahrzehnts, in dem überproportional viele Digitalisierungsprojektein den Geisteswissenschaften angegangen wurden,10zeigen, dass dieAuseinandersetzung mit moderner Softwaretechnologie, insbesondere im Rah-men von Großprojekten, zum einen nicht unbedingt zu den Stärken des Fachszählt, zum anderen illustriert die Flut der entstandenen>Insellösungen< hin-reichend die geringe Nachhaltigkeit sowie die ubiquitäre Beschränkung vielerAngebote. Insbesondere im technischen Bereich, darauf wurde wiederholthingewiesen, fehlt es an unerlässlichen Synergieeffekten,11die vor allem dieteilweise gravierend langen Verzugszeiten vermeiden helfen, bis lauffähige On-line-Datenbanken ins Netz gelangen sofern diese Zielmarke überhaupt erreichtwird. Ein zentrales Kriterium wurde in der langwährenden Diskussion über ein-10Vgl. die Übersicht der von der DFG-geförderten Digitalisierungsprojektehttp://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/download/projektuebersicht_orte.pdf(05.07.2006).11Vgl. z. B. in Reaktion auf den»Evaluierungsbericht«(wie Anm. 9) Monika Wicki: Digitali-sierte historische Kinderbücher aus Beständen der Universitätsbibliotheken Oldenburg undBraunschweig(Retrospektive Digitalisierung)[Rezension]. In: H-Soz-u-Kulthttp://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=90&type=rezwww(05.07.2006).175
Aufsatz in einem Sammelwerk
Digitalisierungsprojekte, Datenbankportale und Literaturmanagement in den Geisteswissenschaften : Anforderungsprofile – Softwarelösungen – Realisation
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