Aufsatz in einem Sammelwerk 
Digitalisierungsprojekte, Datenbankportale und Literaturmanagement in den Geisteswissenschaften : Anforderungsprofile – Softwarelösungen – Realisation
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zuhaltende technische Anforderungen und Richtlinien weitgehend an den Randder Aufmerksamkeit gedrängt: Simultanität.Der Umstand, daß in Digitalisierungsprojekten teilweise Jahre zwischen der Er-fassung der ersten Digitalisate, Metadaten und Volltexte bis zu ihrer Bereitstel-lung im Internet vergehen, stellt sich in ökonomischer und repräsentativer Hin-sicht um so negativer dar, als heutzutage für diese Verzugszeiten technisch be-trachtet kein Anlass mehr besteht. Verfügbare, professionelle Softwaresystemegewährleisten mittlerweile, daß der Produktionsprozeß zeitlich auf ein Minimumreduziert wird, ohne irgendwelche verbindlichen, technischen Normen preisge-ben zu müssen. Nach dem Prinzip der Simultanität erfolgt die datenbank-gestützte Einspeisung der bibliographischen Metadaten weitgehend parallel zurstrukturierten Zuordnung und Aufbereitung der graphischen Inhalte, die bei Be-darf in der gleichen Arbeitsumgebung per Optical Character Recognition(OCR)in digitalen Volltext umgewandelt werden. Zu jedem Zeitpunkt eines Arbeits-ganges, der von einer Korrektur einzelner Datensätze bis hin zur Digitalisierungeiner umfangreichen Vorlage variieren kann, sollte das System in der Lage sein,die gewonnenen Produktionsergebnisse direkt, autark und ohne größere Auf-wände auf den Webseiten des Projekts zu aktualisieren. Dabei folgt ein solchesSystem auch dem Gebot der Simplizität: Dies bedeutet etwa, Synergieeffekte zuvergleichbar gelagerten Projekten zu nutzen, grundsätzlich also das Rad nichtneu erfinden zu wollen oder im konkreten Fall auf aufwändige Eigenentwick-lungen zu verzichten, wenn etablierte, leistungsstarke Software, z. B. OCR-Pro-gramme, Bildbearbeitungs-Tools oder Graphikkonverter, modular in die Be-nutzeroberfläche implementiert werden können. Das Prinzip des»keep it sim-ple« kommt aber auch in der gesamten Benutzerführung und Produktionsliniezum Tragen, deren ergonomisches Design jegliche Redundanzen vermeidet undderen Verständnis keine zeitintensiv zu erwerbenden Vorkenntnisse verlangendarf.Entsprechend dieses Anwendungsprofils wurde mit der»Image Library« einehomogene, modular aufgebaute Arbeitsplattform entwickelt, die die strukturierteErfassung, Indizierung und Volltexterkennung, ferner die Bearbeitung undBereitstellung beliebiger grafischer und textueller Materialien im Internet unter-stützt. Die Software erlaubt es, große Mengen von Grafiken übersichtlich undschnell auf einen lokalen Dokumentenserver zu überspielen und dort systema-tisch mit den zugehörigen Metadaten der Publikation zu verknüpfen ­ je nachVorlage mehrere Tausend Images pro Stunde. Ein Vorschaufenster zeigt demBearbeiter den Inhalt des Quellverzeichnisses an, aus dem Images per Drag-and-Drop ins Zielverzeichnis kopiert werden, wobei die Digitalisate im integriertenGraphikbetrachter einzeln oder in Form von Thumbnails aufgerufen und ineinem Arbeitsgang von Schattierungen oder Verschmutzungen gereinigt werden.Ein Navigationsbaum, der das Zielverzeichnis des Datenbankservers abbildet,gibt die erfassten, annotierbaren Metadaten wieder, die der Bearbeiter parallel in176