Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Zwingen. Nöthigen. 9

tzet die Bauern. Der Feldherr hat die Stadt zur Ueber-gabe gezwungen. Das alles geschiehet durch gewaltsa-me Mittel. Man sagt auch seine Begierden Zwingen/weil man sich dabei selber gemissermassen Gewalt anthunmuß-

Nöthigen heißt nur, jemand in solche Umständesetzen, da er durch allerlei Ursachen gedrungen wird, et-was zu thun. Ein Missethäter, wird durch mancherleiFragen, welche ihm der Richter vorleget, oder durchVersprechungen, welche er ihm thut, oder wenn er sichselbst, in seinen Reden widerspricht, endlich genörhigecdie Wahrheit zu sagen. So sagt man: Weil der näch-ste Weg gefährlich zu reisen war, so war ichgenöthigeteinen Umweg zu nehmen. Das schlimme Wetter nö-thiget mich zu Hause zu bleiben.

Man kann jemand auf eine freundschaftliche Weissnöthigen, das ist, ihn durch Bitten und Zureden, insolche Umstände setzen, da er gleichsam gedrungen wird,etwas zu thun, was er sonstcn nicht gethan hätte; Weiler es nicht abschlagen kann, ohne unhöflich zu seyn. Da-her kommen die Redensarten; Einen zum Essen, zumTrinken, zum Sitzen nöthigen,

Was wir zu thun gezwungen werden, geschiehetallemal wider Willen. Wozu wir genöthiget werden«thun wir freiwillig. Ja bisweilen geschiehet es, daß,wenn wir es Anfangs, gleich ungerne thun wollen, wirdoch hernach, wenn man uns viel gute Gründe vorstel?fet, es gerne thun.

Anmerk. Mich dünkt also, das Wortnäthigen, werbenichtin dem rechten Verstände gebraucht, in der Allgem. Weltgeschich-te , 27 Th. 471. S- da e6 heißt: Die Tochter Ses David«,vie er vorher ;u seiner Gemahlin ausgesucht hatte, nö-thigte er als Rammerfrau zu dienen. Hier würde sich da«Wort zwingen besser schicken. Er zwang sie, denn es gescha«he mit Gewalt, sie muste es wider ihren Willen thun.

A 5 6. Nackend