Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Setzen. Legen. Stellen.

Man sagt gewöhnlich ln der edlen und anständigen Sprech-art: Der Mensch kommt nackend zur Welt: Sie haben ihnnackend ausgezogen. In erhabenen Reden selbst, kann man sichganz gut dieses Ausdrucks bedienen: Die Liebe lehrct uns, dieHungrigen speisen, die Durstigen tränken, die Nackenden klei-den. Wäre dieses Wort niedrig, so würde man sagen mu^n:Die Liebe lehrct uns die bloficn kleiden. So wird aber gewißkein Deutscher sprechen. Hagedorn schreibt in dem Gedichte:Die Glückseeligr'eir:

Die Nackenden bekleidt, bekleidete entblößtund-Haller, in dem Gedichte über den Ursprung des Uebels:

Sie kleidet Nackende, vom Raub der fetten.Trift.Imgleichen, in dem Gedichte, die Falschheit der menschlicher»Tugenden:

wenn nacke und unbewegt,

Er Jahre lang, den Stral der hohen Sonne trägt.Und man wird mehr dergleichen Beispiele bei Rednern undDichtern antreffen, woraus man sehen kann, daß dieses Wort,nicht der niedrigen Schreibart eigen ist.

7. Seyen. Tegen. Stellen.

as an einem Orte stehen soll, setzet man dahin.Was liegen soll, wird hingelegt. Was in einergewissen Ordnung und Verhältniß mit andern Dingenstehen soll, wird hin gestellet. Also hat das erste vondiesen Wörtern, eine Beziehung auf den Stand, daszweite auf die üage, das dritte auf die Ordnung einesDinges.

Man sagt: Das Glas auf den Tisch seyen. DasMesser auf den Tisch legen. Die Bücher auf den Bü-cherschrank stellen.

Der Bauer seyet die Mandeln auf dem Felde,denn sie sollen stehen. Der Zimmermann leget dieBalken, denn sie sollen liegen. Der Hauptmann stel-let die Soldaten, denn sie sollen in einer gewissen Ord-nung stehen.

Das Wort stellen scheinet zwar bisweilen bloß eineBeziehung aufden Ort oder die Stelle zu h.aben, welche

eine